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06.11.01 Natürlich wollen wir alle, dass es gerecht zugeht auf
der Welt, dass Kinder nicht arbeiten oder sich prostituieren müssen,
dass multinationale Konzerne nicht traditionelle Strukturen in den Entwicklungsländern
zerstören, dass keine Wälder gerodet und seltene Tier nicht ausgemerzt
werden. Zum Glück aber wissen wir längst nicht alles, was auf der
Welt geschieht, sehen keine Bilder von den täglichen Massakern in Afrika
und Asien, von den Mordorgien gegen Außenseiter in Südamerika.
Naturkatastrophen wie Überschwemmungen mit Hunderten Todesopfern erschüttern
uns oder jagen uns zumindest einen Schauer über den Rücken und lassen
uns heftig auf die Verursacher der Klimakatastrophe schimpfen. Dass jährlich
fünf Millionen Menschen wegen Wassermangels sterben, bleibt, Gott sei
es gedankt, den meisten von uns verborgen. Denn wüssten wir um all das
Elend auf der Welt, das selten schicksalhaft ist, sondern meist aus veränderbaren
ökonomischen Bedingungen stammt, müssten wir verrückt werden.
Man sollte sich daher nicht lustig machen über die vielen Menschen, die in ehrlicher Betroffenheit jedes Übel, auf das sie die Medien aufmerksam gemacht haben, bekämpfen, auch wenn ihr Gutsein mehr der eigenen Psyche als der Änderung von Verhältnissen dient. Es tut so wohl, gelegentlich gut zu sein. Nur entschuldigt dies alles nicht die Dummheit. Wer sich z. B. einen in Indien handgeknüpften
Poschti für DM 1,00 kauft und gleichzeitig das Elend in der Dritten
Welt beklagt, ist ein Heuchler oder blöd. Das billige Obst aus der Türkei,
die preiswerten T-Shirts aus Asien, die vielen Schnäppchen, die meisten
unserer noch vorhandenen Arbeitsplätze in der Exportindustrie gibt es
nur, weil das Kapital mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dafür
sorgt, dass die Verhältnisse so bleiben, wie sie sind.
Ein altes Sprichwort mahnt: „Wer will mit genießen, muss auch mit schießen.“ So billig, wie viele gute Menschen glauben, kommen sie nicht davon. Alle vier Jahre bei Wahlen Volksvertreter zu legitimieren, dem Kapital die optimalsten Bedingungen zu schaffen, zwischendurch aber jede Ungerechtigkeit zu beklagen, das ist schizophren und bestenfalls die spießbürgerliche Abart politischen Handelns. Auch Bescheidenheit (ein bisschen Frieden, ein bisschen Geschwindigkeitsbeschränkung etc.) hilft nicht weiter, macht aus Gequatsche keine Erkenntnis. Wer wirklich die Welt verändern will, muss die Ursachen der Verhältnisse analysieren und seine – auch persönlichen – Schlüsse ziehen. Wie das jemand bis auf weiteres schaffen will, ohne Kommunist zu werden, ist mir rätselhaft. pawek@web.de © 2001 Karl Pawek a |
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