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13.12.00 Ganz Deutschland macht sich lustig über die Stimmenauszählung
bei der us-amerikanischen Präsidentenwahl 2000. Und deutsche Journalisten
geben sich kritisch wie selten. Der Kommentator des Hamburger Abendblattes
sieht die USA gar zur Bananenrepublik degenerieren. Wie immer, wenn die veröffentlichte
Meinung ungeteilt ist, ist sie falsch. Denn töricht ist es anzunehmen,
eine Nation, deren Fließbandprodukte auf den tausendstel Millimeter
genau gearbeitet sein können, sei nicht in der Lage, Stimmzettel exakt
auszuzählen, wenn es von Bedeutung wäre, wenn wirklich, wie naive
Demokraten glauben, jede Stimme wichtig wäre für die Entscheidung.
Doch in unserer medialisierten Demokratie spielt es letztlich keine Rolle, ob der Kandidat A oder B eine Wahl gewinnt, da A und B nur Models sind, die Varianten derselben Kollektion vorführen, der eine mit rotem, der andere mit blauem Gürtel. Die Entscheidung, welche Kollektion verkauft werden soll, ist ganz woanders und lange vor der Wahl gefallen. Wie beim Waschmittel-, Zigaretten- oder Autokauf wählt der sogenannte Souverän (als Kunde heißt er König) nicht ein Produkt, sondern ein Image. Gute Imageentwickler greifen dafür vage, meist unbewusste Bedürfnisse, Ängste, Hoffnungen auf und formen daraus das Erscheinungsbild des Kandidaten. Erfolg hat die Agentur, die dem Zeitgeist am nächsten kommt, gewählt wird also nicht der bessere Kandidat, sondern die bessere Agentur. Wo dieses Millionengeschäft
so professionell betrieben wird wie in den USA, sind ausgeglichene Wahlergebnisse
wahrscheinlich. Denn die großen Agenturen verfügen über das
gleiche Know-how, die gleichen Informationen, Strategien und Mittel, um den
Wählern die Entscheidung für den einen oder anderen Kandidaten zu
suggerieren. Doch ausgeglichene Wahlergebnisse schaffen ein Problem.
So gleichgültig es ist, welche Partei oder welcher Kandidat gewinnt,
stellt annähernde Stimmengleichheit die Fiktion Demokratie auf die Probe.
Nähme man sie ernst, käme es tatsächlich auf jede Stimme an.
Die amerikanischen Präsidentenwahlen
2000 sind ein überzeugender Beweis für die Richtigkeit einer der
klügeren 68er-Behauptungen. Sie lautete sinngemäß: „Wenn
Wahlen etwas ändern könnten, wären sie längst verboten.“
Nun wird man in den USA die Spielregeln wohl modifizieren, damit die Bedeutungslosigkeit
von Wählerentscheidungen nicht noch einmal so offensichtlich wird. Das
Spiel aber bleibt das gleiche. |
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