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a . Chiang Mai

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So abgedroschen die Spruchweisheit „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ inzwischen auch klingen mag, trifft sie doch überraschend häufig zu. Mancher Reisender, der statt auf seiner idyllischen Trauminsel auf einem Rummelplatz gleichen Namens landete, der seinen Geheimtipp im Massenauflauf nicht fand, musste verbittert feststellen, zu spät gekommen zu sein. Dies droht auch allen, die sich nicht beizeiten auf den Weg machen nach Chiang Mai. Denn Geschäftemacher haben viel vor mit dieser Stadt im Norden Thailands.

Noch ist Chiang Mai die vielleicht kosmopolitischste Kleinstadt Asiens. Das alte, von einem breiten Wassergraben und Resten der Stadtmauer begrenzte Zentrum misst gerade einmal 1,6 Kilometer im Quadrat und lädt zur Erkundung zu Fuß ein. Einen Kilometer in östlicher Richtung liegt der Fluss Nam Ping mit dem wenig touristischen und daher noch authentischen Wararot Markt, vielen Geschäften, Bars und Restaurants, einen Kilometer im Westen entstand nahe der Universität ein schickes Stadtviertel entlang der Nimmanhaemin Road. Mit ihren 160 000 Einwohnern im Zentrum und rund einer Million Menschen im Stadtgebiet wirkt Chiang Mai zwar laut und quirlig und ist doch zugleich beschaulich wie ein verschlafenes Provinznest. Kaum 20, 30 Meter seitwärts der zu Stoßzeiten nur unter Lebensgefahr zu überquerenden Hauptstraßen erreicht der Spaziergänger dörfliches Gebiet mit kleinen Häusern in ländlichen Gärten, mit Schuppen und offenen Werkstätten, dazwischen auch Brachland und überall die unvermeidlichen Tempel mit ihren Chedis. Einige dieser Wat stammen aus dem 14. und 15. Jh. und sind nicht nur pittoresk, sondern auch von hohem künstlerischem Wert.

Für Buddhisten leitet sich die Bedeutung eines Tempels allerdings nicht von seiner architektonischen Qualität oder handwerklichen Ausgestaltung ab, deren Unterschiedlichkeit dem ungeschulten Blick der meisten Touristen lange verborgen bleibt, sondern von der Hilfsmächtigkeit der in ihnen aufbewahrten Figuren oder der in der Tempelanlage wohnenden Mönche, denen übrigens nicht nur jede sexuelle Beziehung zu Männern, Frauen und Tieren, sondern auch zu Geistern verboten ist. Wie in katholischen Ländern eine kitschige, künstlerisch völlig wertlose Heiligenfigur dank ihrer vermeintlich wundertätigen Kräfte einem unscheinbaren Kirchlein, einer zur Kathedrale überhöhten Bausünde größte Anziehungskraft verleihen kann, sind viele der höchstverehrten Buddhafiguren nicht künstlerisch, bestenfalls materiell wertvoll. Gelegentlich stattfindende Renovierungen der Wat haben selten das Ziel, alte Bauelemente in ihrer ursprünglichen Form zu konservieren, beabsichtigt wird vielmehr, sie – möglichst goldfarben – aufzupeppen. Und je jünger ein Tempelbau ist, desto bunter, funkelnder, protziger erscheint er. Genutzt von morgens bis abends als Gebets- und Opferstätte werden sie alle. Aber obwohl Thais zutiefst gläubige Menschen sind, gibt es unter ihnen kaum religiöse Eiferer. Ungläubige, die fotografierend zwischen den auf dem Boden hockenden oder liegenden Betern herumspazieren, werden nicht einmal scheel angeschaut, nicht als störend empfunden. Der Buddhismus in Thailand scheint tatsächlich keinen Absolutheitsanspruch zu kennen. 

Wer nicht nur die eindrucksvollen Gebäude besichtigt, sondern die zahlreichen betenden und opfernden Menschen beobachtet, erfährt viel über die Mentalität der Thais. Fast nie begnügen sich die gläubigen Bittsteller mit Ehrbezeugungen oder Gebeten, sondern nutzen eifrig die zahlreichen Möglichkeiten, ihren Wünschen durch Geldspenden Nachdruck zu verleihen  - indirekt durch den Kauf von sehr weltlichen Präsentkörben, die Getränke, Cornflakes, Soßen und Spülmittel enthalten und nachts, wenn die Wat geschlossen sind, von Mönchen zurück zum Verkaufsstand oder in die Tempelküche getragen werden. Das unverschämteste Geschäftsmodell benötigt nur einen Eimer voller 1-Baht-Münzen und einige kleine Schalen, die den Wochentagen, Monaten und Wünschen zugeordnet sind. Für jeden 20-Baht-Schein erhalten die Hilfesuchenden von einem Mönch eine Hand voll Münzen, die der Bittsteller, z. B. ein Schüler, der am Mittwoch erfolgreich eine Prüfung ablegen will, auf die entsprechenden Schalen verteilt. Noch während die Menschen spenden, entleert ein zweiter Mönch gefüllte Schalen in den großen Geldeimer, aus dem die Münzen wieder gegen Geldscheine an die nächsten Bittsteller verkauft werden.

Mehr noch als der uralte, aber immer noch allgegenwärtige Geisterglaube bestimmt der Buddhismus die Mentalität der Thais. Den Geistern kann durch Rituale Einhalt geboten werden. Auch in Chiang Mai wird man kaum ein Gebäude finden, vor dessen Errichtung nicht ein Geisterhäuschen aufgestellt wurde, in dem die animistischen Grundstücksgeister hausen können und sollen. Um sie zu beschwichtigen, sie freundlich zu stimmen, werden sie täglich mit Getränken und Speisen versorgt. Aber so sehr Thailänder ihre Ahnen verehren, möchten sie deren Geister doch nicht im Haus haben. Die täglichen Böllerschläge und Knallkörperexplosionen, die viele Touristen irritieren, sind nicht das Werk ungezogener Jugendlicher, sondern die Begleitmusik bei Bestattungen: Der Lärm soll den Geist des geliebten Verstorbenen davon abhalten, in der Nähe der ihn Überlebenden zu bleiben.

Während der Geisterglaube von modernen Thailändern zwar belächelt, ihm aber immer noch nicht nur aus Gruppenzwang Referenz erwiesen wird, beherrscht der Buddhismus das Denken und Fühlen der Menschen im privaten wie öffentlichen Bereich. Auch für Buddhisten ist das Leben voller Unzufriedenheit, Unzulänglichkeit, Unglücklichsein, eben „dukkha“. Die wichtigste Empfehlung der buddhistischen Lehre besteht darin, dieses „dukkha“ zu akzeptieren. Nur wer die Zustände nimmt, wie sie sind, und sich selbst bemüht, besser zu sein, kann glücklich leben. Wie keine andere Religion macht der Buddhismus seine Anhänger freundlich, duldsam, friedfertig in Erwartung des nächsten Lebens, in dem die Mühen der Bravheit durch bessere Lebensumstände belohnt werden sollen. Diese Verinnerlichung der buddhistischen Lebenslehre geht so weit, dass jede Form der Kritik verpönt, in Bezug auf das Königshaus sogar strafbar ist. Dass man alten Menschen, so dummes Zeug sie auch schwätzen mögen, nie widerspricht, dass fast jeder Junge zur Ehre seiner Eltern ohne Murren für mindestens drei Monate ins Kloster geht, dessen Schule nicht einmal Sportunterricht anbietet, mag man belächeln, vielleicht sogar sympathisch finden. Dass aber auch Bücher und Filme zwar öfters verboten, doch nie kritisiert werden, weil jede Kritik dazu führen würde, dass der Kritisierte sein „Gesicht verliert“, muss Besucher aus dem Westen befremden. Nicht einmal die Journalisten der englischsprachigen „Chiang Mai Post“ wagen es, einen schlechten Film schlecht zu nennen, sondern referieren nur seinen Inhalt und fügen bestenfalls abrupt am Schluss ein Rating aus dem Ursprungsland an.

Entsprechend schwer habe es kritische moderne Künstler, in Chiang Mai ausgestellt zu werden. Obwohl die „Luna Gallery“ der Not gehorchend inzwischen fast nur noch niedliche oder schlicht schöne Werke zeigt, finden sich in ihrem Fundus noch einige sehr interessante Werke junger, unangepasster thailändischer Maler, und nur Abstammung und Reichtum der Besitzerin der „Panisa Gallery“ an der Ausfallsstraße zum Flughafen erlauben es ihr,  hin und wieder sogar frech provozierende Gemälde auszustellen. 

Für den Besuch der Tempel, Märkte, Galerien und Restaurants sind die überall anzutreffenden Sawngthaews, Pick-ups mit zwei seitlichen Sitzbänken auf den überdachten Ladeflächen, ideal. Zwar versuchte die Stadtverwaltung vor einigen Jahren Buslinien im innerstädtischen Verkehr einzurichten, aber das Experiment scheiterte komplett. Übrig blieben nur ein paar Haltestellen, an denen gelegentlich noch Touristen vergeblich auf einen Bus warten. 

Es war nicht nur die Sawngthaew - Mafia, die den öffentlichen Nahverkehr verhinderte, sondern vor allem die Unterlegenheit eines starren Liniensystems gegenüber der Sawngthaew -Flexibilität: Man winkt einfach einem der roten Fahrzeuge zu, nennt dem Fahrer das Ziel, am besten ein in dessen Nähe gelegenes Wat, da Straßennamen meist sehr viel anders ausgesprochen werden, als Westler glauben, worauf der Fahrer durch Nicken oder Verneinen mitteilt, ob er gewillt ist, dieses Ziel anzusteuern. Dabei kann es durchaus passieren, dass zunächst andere Passagiere zu weit entfernten Orten gebracht werden und der mitfahrende Tourist jede Orientierung verliert und Stadtteile sieht, die kein Reiseführer erwähnt. Doch kann man den Fahrern und mehr noch den oft sie begleitenden Ehefrauen vertrauen: Auch wenn sie eine viertel Stunde lang zunächst in die Gegenrichtung fahren, bringen sie einen schließlich doch ans Ziel. Nur sollten Touristen nie nach dem Fahrpreis fragen, was nur als Einladung verstanden wird, an ihrem Reichtum teilzuhaben, sondern nach dem Aussteigen die touristenüblichen 20 Baht (50 Cent) pro Passagier zahlen.

Teurer, dafür noch flexibler sind die dreirädrigen Tuk Tuk mit ihrer Rückbank für zwei Westler oder bis zu vier Thais. Hier muss der Preis vor Antritt der Fahrt ausgehandelt werden, meist ist die Hälfte der zuerst genannten Forderung angemessen und wird schließlich auch lachend akzeptiert.

Abgesehen von wenigen Schleppern an den Hauptsehenswürdigkeiten ist Misstrauen gegenüber den Menschen in Nordthailand nicht angebracht. Eher wird eine Marktfrau dem Touristen das vergessene Wechselgeld, eine Serviererin den liegengelassenen Gegenstand hinterher tragen, als den Fremden zu betrügen. Selbstverständlich gilt jeder Tourist als beneidenswert reich. Daher ist es nur verständlich, wenn zunächst versucht wird, ihm doppelt so viel abzuverlangen wie einem Einheimischen. Doch einigt man sich schnell und ohne Jammern auf einen fairen Preis.

Manchmal gibt es sogar gute Gründe, von Westlern für eine Dienstleistung das Doppelte zu fordern. Auch in Chiang Mai bieten unzählige seriöse Massagesalons ihre Dienste an. Zwar kostet eine einstündige Thaimassage außerhalb der Luxushotels kaum mehr als vier, fünf Euro, aber Thais zahlen oft nur die Hälfte. Die Begründung ist einleuchtend: Bei Westlern muss im Durchschnitt doppelt so viel Fleisch bewegt werden. Davon abgesehen ist jede echte Thaimassage Schwerstarbeit für die Massierenden und durchaus schmerzhaft für die Massierten. Eine authentische und dennoch auf die Verspanntheit, Ungeschmeidigkeit von Besuchern aus dem Westen Rücksicht nehmende Art der Massage bieten im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms Häftlinge des im Zentrum gelegenen Frauengefängnisses an.

 Obwohl Nacktheit auch in Chiang Mai verboten ist und in den thailändischen  Medien nicht einmal eine nackte Frauenbrust gezeigt werden darf (worauf die Deutsche Welle im vorauseilenden Gehorsam Rücksicht nimmt und weibliche Brustspitzen in ihrem TV-Programm für Asien gschamig verpixelt), wird nicht aufdringlich, doch leicht auffindbar auch eine „japanische“, „entspannende“, also sexuell befriedigende Massage angeboten. Und zahlreiche Prostituierte, die schönsten unter ihnen sind zumeist Transvestiten, laden nicht nur in der zum Nachtbasar führenden Loi Kroh Rd. Touristen wie Einheimische zum Geschlechtsverkehr ein. Trotz aller Prüderie bei der Darstellung von Sexualität sind Bordellbesuche, z. B. nach einem Geschäftsessen oder einer Studentenfeier, üblich. Man spricht zwar nicht über Sexualität in Thailand, lebt sie aber aus. Die staatlich verordnete Tabuisierung der Sexualität und das Fehlen jeglicher Sexualaufklärung in den Schulen beschert Thailand nicht nur die weltweit zweithöchste Schwangerschaftsrate bei Teenagern, sondern fördert auch seltsame Gebräuche. So sah sich die Provinzregierung kürzlich gezwungen, alle Studenten darauf hinzuweisen, dass Plastiktüten sich nicht als Kondomersatz eignen.

Zum oft naiven, manchmal morbiden, aber immer ungekünstelten Charme Chiang Mais trägt auch eine touristische Infrastruktur bei, die den Besuch vor allem in den Wintermonaten zu einem fast ungetrübten Vergnügen macht. Der noch überschaubare, ruhige Flughafen der Stadt kann direkt von Bangkok oder Phuket, von Malaysia, Singapur, Kambodscha und Laos erreicht werden, die Taxifahrt ins nahe Stadtzentrum kostet nur 3 Euro. Hunderte Gästehäuser, Dutzende Mittelklassehotels und gut zehn Luxusherbergen bieten klimatisierte Zimmer für unter 10 bis über 1000 Euro die Nacht. Freundliche, fast herzliche Fürsorglichkeit erwartet den Gast in allen Hotelkategoerien, nur die Devotheit des weiblichen Personals richtet sich nach den Zimmerpreisen. In den teuren Hotels bemühen sich die Bediensteten, an sitzenden Gästen so tief gebeugt vorbeizugehen, dass ihr Kopf nicht den des Gastes überragt. Und wem es fad wird in seiner 1000-Dollar-Suite im prächtigen „Mandarin Oriental Dhara Devi“, dem bietet die Hotelleitung an, für ein, zwei Stunden die „harte Feldarbeit der Reisbauern“ auszuprobieren. Ich vermute, dass sogar Feldarbeiter, die in drei Monaten weniger verdienen, als der „Gast“arbeiter pro Nacht ausgibt, diesen äußerst freundlich grüßen.

Für längere Aufenthalte bieten sich Apartmenthäuser wie das stilvolle „Frangipani“ oder das minimalistisch moderne „Studio 99“ an, die einschließlich täglicher Reinigung und permanenten Internetzugangs weniger als 1000 Euro im Monat kosten. Die über zwanzigtausend Ausländer, unter ihnen 5000 Deutsche, die sich vor allem wegen des im Winter paradiesischen Klimas (16 - 18 Grad morgens, 26 - 28 Grad mittags, kein Regen) in Chiang Mai niederließen, veranlassten einige Supermarktketten wie „Rimpin“, viele europäische, amerikanische und australische Spezialitäten in ihr Sortiment zu nehmen. Wer will, kann in Chiang Mai essen wie zu Hause.

Dabei lohnt gerade die Restaurantszene einen längeren Aufenthalt. Nicht nur für die Tage der Eingewöhnung bietet sich „Girasole“ an, ein Italiener, bei dem man besser isst als in mancher römischen Trattoria, oder „Gigantea“, ein schlichtes, doch hervorragendes japanisches Restaurant, in dem ein junger Koch mit ausnahmslos frischen Zutaten ebenso wohlschmeckende wie bekömmliche Gerichte für seine zumeist japanischen Gäste zubereitet. Die Annäherung an den thailändischen Wein (beeindruckend der weiße „Monsoon Valley“) und an eine ausländerfreundliche thailändische Küche könnte in einem der schönsten Lokale der Stadt, dem „House“ erfolgen, bevor im neuen „W by Wanlamun“ eine Art thailändische nouvelle cuisine (westliche Produktklarheit bei traditioneller thailändischer Kochweise) faszinierende Geschmackserlebnisse ermöglicht. Abgesehen vom teuren Alkohol kostet ein Abendessen in diesen Restaurants kaum mehr als 10 – 12 Euro. Wem diese Essenerfahrungen ein wenig mutiger gemacht haben, sollte sich nicht scheuen, für 1 – 2 Euro einige der zahllosen Garküchen auszuprobieren, deren Qualität leicht an dem Verhältnis von möglichst vielen thailändischen zu möglichst wenigen ausländischen Gästen abzuschätzen ist, z. B. das „Yok Fa“ gegenüber der Blutspendestation des Roten Kreuzes. Nur Wein darf man in Garküchen nicht erwarten, ihn gibt es in guter Qualität zu passablen Preisen im „Writer’s Club“, den man freilich nur satt besuchen sollte.

Wer die Nacht unter Touristen verbringen will, kann den immer mehr verkommenden Nachtbasar mit seinen umliegenden britischen und deutschen Kaschemmen oder die Restaurants am Ufer des Mae Nam Ping mit lauter Musik und gerade noch genießbarem Essen aufsuchen. Lebendiger ist die nahe der Universität gelegene Nimanhaemin Road mit ihren vielen Sois (Nebengassen), zahllosen Boutiquen, Restaurants und Bars, die hauptsächlich von jungen Thais frequentiert werden, deren Lebensfreude allerdings zu später Stunde noch von der Lautstärke ihrer Bekundung übertroffen wird.

Auch wenn Chiang Mai fast so wenige herausragende Sehenswürdigkeiten besitzt wie Hochhäuser (2), ist die Stadt in ihrer Gesamtheit ein Erlebnis und gilt unter den Reiseexperten des „Travel & Leisure“ Magazins und für „Lonely Planet“ als eines der lohnendsten Reiseziele in der Welt. Ihren Aufschwung verdankt sie nicht zuletzt dem aus Chiang Mai stammenden Populisten und Multimilliardär Thaksin, der als Premierminister Thailands von 2001 bis zu seiner Vertreibung 2006 nicht ganz selbstlos seine Heimatstadt mit staatlichen Mitteln großzügig förderte, eine sehr gute touristische Infrastruktur aufbauen ließ und heute aus dem Exil, zuletzt in Dubai, nicht nur den Sturz der thailändischen Regierung, sondern weiterhin auch seine einträglichen Geschäfte betreibt. Wenn es Geschäftemachern seines Schlages tatsächlich gelingen sollte, wie angekündigt die Weltausstellung 2020 nach Chiang Mai zu holen, bedeutet dies unweigerlich die Zerstörung ihres Charmes. Nicht Größenwahn, von dem andere asiatische Städte sehr viel mehr besitzen und den sie sehr viel besser zu vermarkten wissen, darf die Zukunft Chiang Mais bestimmen. Der Ort braucht nicht noch mehr Luxuseinkaufszentren, weil die vorhandenen bereits kaum genügend Kunden finden und zum Teil leer stehen, keine Schnellstraßen, keine Begradigungen, Grundstücksverwertung, sondern die behutsame Restaurierung des Bestehenden und vielleicht den Bau begehbarer Bürgersteige ohne Löcher, Schwellen und Leitungsrohre. Wie bei jeder gewachsenen, lebendigen Stadt  liegt ihr Reiz auch in Unzulänglichkeiten, die unter dem Anspruch, eine moderne Metropole zu sein, zu Ärgernissen würden. So bleibt nur zu hoffen, dass die buddhistische Lebensweisheit, alles kommt, wie es kommt, wenigstens dieses eine Mal durch Vernunft korrigiert wird. Doch vorsichtshalber sollte mit einem Besuch Chiang Mais nicht allzu lange gewartet werden, denn die Gefahr ist groß, dass in einigen Jahren auch die hier beschriebene Stadt nicht mehr auffindbar ist.

© 2011 Karl Pawek
pawek@web.de

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