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Kaum
überspitzt lautet die
Frage: Wird der Mensch blöd geboren oder erst nach seiner Geburt
blöd gemacht?
Darüber, dass er für gewöhnlich blöd ist, kann kein
Zweifel bestehen: Wer die
Massenmedien konsumiert, an Götter und Geister glaubt, die
existierenden
Parteien wählt und sich ausnehmen lässt von Wenigen, die auch
nicht klug, nur
schlau sind, muss erbärmlich blöd sein. Die
Kommunisten glaubten,
die Ursache der Verblödung in den wirtschaftlichen
Verhältnissen erkennen zu
können. Gelänge es, den Kapitalisten die
Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel
zu entreißen, würde ein
verändertes Sein auch das Bewusstsein ändern. Doch
irgendetwas muss auch ohne
BILD, RTL, Pfaffen, Unternehmer und ihre parlamentarischen
Interessenvertreter
den prognostizierten Mechanismus gestört haben. Die Menschen in
den ehemaligen
sozialistischen Staaten entsprechen auch nach Jahrzehnten
sozialistischer
Herrschaft keineswegs den Erwartungen eines neuen Typs Mensch, wirken
eher
zurückgeblieben, antiquiert, jedenfalls nicht humanisiert. Anscheinend
ist das
Bewusstsein eine sehr träge Masse und fast immun gegenüber
der Aufklärung,
soweit ihr Nutzen nicht unmittelbar, am besten ökonomisch
erkennbar ist. Die
Verstaatlichung fast aller Produktionsmittel berührte es nur
insofern, als es
sich in den neuen Verhältnissen kommod einzurichten versuchte. Wer
also immer noch an die
Entwicklungsfähigkeit des Menschen glaubt, muss zusätzlich zu
der
deformierenden Ausbeutung auch die Ursachen der Dummheit
überwinden. Dies kann
nur gelingen, wenn wir erkennen, wie ein Mensch zu dem wird, was er
ist. Da
unsere Sozialisation, unser Denken und mentales Fühlen aus einem
Lernprozess
entsteht, ist es notwendig, das Lernen zu analysieren und zu verstehen. Jeder
Mensch lernt, ob er
nun will oder nicht. Doch die Qualität des Lernens kann sehr
unterschiedlich
sein. Am
Anfang jedes Lernens
steht die Wahrnehmung. Das von der Mutter abgenabelte Baby ist mit
seiner
Geburt einer Vielfalt wechselnder Sinneseindrücke ausgesetzt:
hell, dunkel,
warm, kalt, laut, leise. Erlebte es im Mutterleib nur einen Zustand,
dessen
biologische Varianten hormoneller, nährstoffhaltiger Art nicht als
Wechsel,
sondern als Seinszustand empfunden, eher erlitten wurden und so
durchaus
Einfluss auf die Konstitution, jedoch nicht auf die Entstehung eines
Bewusstseins hatten, beginnt mit der Geburt die von außen
initiierte Vernetzung
des Gehirns. Unmittelbar nach der Geburt ist das Baby noch fast blind
und taub.
Auch sein Schreien ist nicht kommunikativ, sondern vegetativ wie das
Keuchen
oder Furzen eines ausgewachsenen Menschen. Doch jede Wahrnehmung wird
im Hirn
des Babys registriert und durch Vernetzung von Hirnzellen gespeichert.
Jede
Vernetzung wiederum erweitert die Wahrnehmungsfähigkeit, aus
Schatten werden
Formen und Farben, aus Lärm Töne, aus Luft Gerüche.
Dieser
Differenzierungsprozess, der völlig unbewusst abläuft, ist
ein grundlegender
Lernvorgang. Aus ihm entsteht durch Wiedererkennen der Intellekt mit
seinen
kombinatorischen Fähigkeiten. Brüllte das Baby anfangs, weil
es brüllen musste,
entdeckt es nach einiger Zeit, dass Brüllen Wirkung zeigt in Form
von Zuwendung
eines großen, noch keineswegs als Mensch, geschweige denn als
Mutter oder Vater
erkannten Lebewesens. Sein Brüllen wird Kommunikation. Pech
hat das Baby, wenn es nur
behütet und geschont wird. Denn nicht die Sinneseindrücke an
sich, sondern
deren Vielfalt, Unterschiedlichkeit bestimmen den Grad und die
Geschwindigkeit
der Vernetzung. Gleichförmigkeit führt noch nicht zur
Verblödung, doch
beschränkt sie das intellektuelle Potential. Noch
ahnen wir es nur, aber
die Hirnforschung wird es nachweisen: Die Vielfalt frühester
Sinneseindrücke
ist konstituierend für das Denkvermögen, ihre Art prägt
unsere Empfindungen
noch im Alter. Was wir gerne essen und nicht riechen können, ob
wie Rhythmen
oder Melodien mögen, wird in den ersten Lebenswochen noch nicht
entschieden,
doch nahegelegt. Bereits in dieser frühen Lebensphase entsteht
jener Schatten,
den zu überspringen den meisten erwachsenen Menschen so schwer
fällt. Auch
das behütete, also
isolierte Baby erlebt genügend Impulse, um ein
funktionsfähiges Gehirn zu
entwickeln. Allerdings wird es dessen Potential kaum ausschöpfen
können, weil
es unterfordert ist. Je mehr Gelegenheit es findet, Gegenstände zu
ertasten,
Formen wiederzuerkennen, desto häufiger wird es durch Probieren,
Kombinieren
Zusammenpassendes und Unterschiedliches entdecken und dabei logisches
Denken
und Abstrahieren lernen. Das Muster Tisch z. B. wird über ein
Wiedererkennen
gespeichert, bis es abrufbar ist, ohne einen Tisch zu sehen. Die
Feststellung
scheint nur so lange banal, wie sie nicht auf das Verständnis von
Wissenschaft
und Kultur übertragen wird. Die
Hirnentwicklung erst
erlaubt die bewusste Steuerung von Muskeln, das Kind gewinnt Kontrolle
über
seine Bewegungen, auch über seinen Stuhlgang, seine Artikulation.
Letztere
befähigt es, Sprache durch Hören zu lernen. Es registriert,
dass bestimmte
Lautverbindungen bestimmten Gegenständen (Personen) und Aktionen
zugeordnet
sind. Die Körper-, also Muskelbeherrschung ermöglicht dem
Kind, die
Lautverbindungen zu imitieren, die Logikfähigkeit erlaubt es ihm,
gespeicherte
Lautverbindungen zur Benennung von Vorgängen zu kombinieren. So
eignet es sich
die Sprache, dieses unersetzliche Werkzeug des Denkens an. Auf
der Basis von Einheiten
(z. B. seinen Fingern) lernt es Rechnen. Ganz abgesehen davon, dass die
Erkenntnis von Einheiten grundlegend ist für die Entstehung eines
Ichbewusstseins, fördert das Rechnen auch schon in seiner
primitivsten Form das
Abstraktionsvermögen. Lernen
bedeutet also zu
nächst Abschauen, Nachmachen, was um so wirkungsvoller gelingt, je
mehr
Anregung vorhanden ist. Leider gilt dies auch für die nächste
Entwicklungsstufe, das soziale Lernen. Auch hierbei schaut sich das
Kind
Verhaltensweisen seiner Bezugspersonen ab, ohne sie verstehen zu
können. Eine
Laune erfährt es ebenso als objektiv wie einen Tisch,
Launenwechsel daher als
Irritation. War das Lernen des funktionalen Denkens nur von der
Vielfalt des
Angebots, kaum von Ideologie bestimmt, wird beim sozialen Lernen all
der
ideologische Müll verinnerlicht, den die Bezugspersonen als
Rollenverhalten,
Gläubigkeit, Moral etc. mit sich herumschleppen und unbewusst
vermitteln. Beim
sozialen Lernen wird das Lernen zur Prägung. Wiederum ist dem Kind
zu wünschen,
dass es wenigstens das Korrektiv der Vielfalt erlebt.
Großfamilien,
Kinderkrippen können ein hilfreiches Korrektiv bieten, ein
Elternpaar mit
seinen geschlechtsspezifischen Unterschieden mag als Korrektiv
ausreichen. Doch
Pech hat das Kind, dass einer/einem Alleinerziehenden oder einem
gleichgeschlechtlichen Paar ausgeliefert ist. Seine Orientierung muss
einseitig
bleiben. Noch
bedeutsamer für das
Denken als die unzähligen ideologischen Deformationen durch blaue
oder rosa
Kleidung, durch Jungen- oder Mädchenspielzeug, durch Moral oder
Willkür ist das
Maß an Vertrauen, das ein Mensch im frühesten Kindesalter
gewinnen kann. Nicht
nur die Verlässlichkeit der notwendigen Fürsorge entscheidet
darüber, ob
Zuversicht oder Angst oder Gleichgültigkeit seinen Lebensweg
begleiten werden.
Nur Menschenkinder, die als Personen ernstgenommen, statt als
Wonnepropen
umsorgt, als lästig abgeschoben, als Objekt einer Autorität
missbraucht werden,
können jenes Selbstvertrauen gewinnen, das eine eigenständige
Entdeckung der
Welt und schließlich die mutige Überprüfung der
vorgefundenen Verhältnisse
erlaubt. Das Maß an Selbstvertrauen entscheidet darüber, ob
jemand intelligent
oder nur schlau wird. Wahrscheinlich
bestimmen die
Ergebnisse des funktionalen Lernens auch über den Mechanismus, den
wir als
„freien Willen“ bezeichnen. Vieles spricht dafür, dass unser Hirn
Entscheidungen fällt, bevor uns die Alternativen bewusst werden.
Entsprechende
Messungen der Hirnforscher können aufgrund eingeschränkter
Versuchsmöglichkeiten am lebenden Menschenhirn noch nicht als
Beweise gelten.
Doch unsere Art des Denkens legt die Vermutung nahe, dass ein „freier
Wille“
durchaus existiert, aber anders funktioniert, als wir glauben wollen. Die
Haupttätigkeit unseres
Hirns besteht darin, Körperfunktionen zu steuern und
Sinneseindrücke zu
verarbeiten, die uns das Überleben ermöglichen. Hierfür
wäre jeder „freie
Wille“ nur kontraproduktiv. Wenn einem ein Tier oder Auto anspringt,
ist es
besser, nicht erst lange nachzudenken und abzuwägen, sondern
sofort zu
reagieren. Allerdings werden entsprechende Reaktionen auf Grund
verschiedener
Erfahrungen nicht bei allen Menschen gleich sein. Man kann zurück
oder vorwärts
springen, hinter einem Hindernis Schutz suchen, die Hände vor dem
Kopf reißen,
vor die Brust, vor das Geschlechtsteil, weglaufen, sich abrollen
lassen,
versuchen das Tier zu packen und es mit einem Handkantenschlag
außer Gefecht zu
setzen, einfach stehen bleiben und darauf vertrauen, dass der
Autofahrer
ausweichen wird usw. Der Mensch, durchaus lernfähig, wird so
reagieren, wie es
schon einmal funktioniert hat oder, wenn die Situation neu ist, in
einem
Analogieschluss funktionieren könnte. Zweifellos ist es ein
Denkvorgang, der
die Art unserer Reaktion bestimmt, doch geschieht er unbewusst. Erst im
Nachhinein können wir versuchen, unser Verhalten zu verstehen. Wie
es Leute gibt, die uns
beim ersten Anblick sympathisch, gleichgültig oder unsympathisch
sind, ohne
dass wir unsere Empfindung wirklich begründen können, gibt es
auch Ideen, gegen
die wir uns sträuben, die uns nichts angehen oder uns begeistern.
Befragt,
warum wir so reagieren, können wir erst nach einigem Nachdenken
meist banale,
oft vorgeschobene Begründungen nachreichen wie die Nase, zu laut,
zu leise, zu
dick, zu dünn, Bartträger etc. oder, wenn es um Ideen geht,
falsch, nichts
Neues, das ist es, gefährlich etc. In jedem Fall berufen wir uns
auf
Voreinstellungen in uns, die uns reagieren ließen, bevor wir
reagieren wollten. Wahrscheinlich
ist es eine
Illusion zu glauben, es gäbe einen „freien Willen“, der uns
voraussetzungslose,
rationale Entscheidungen treffen ließe. Unser Bewusstsein ist
gattungsspezifisch und zudem noch geformt durch subjektive Erfahrungen.
Wie ein
Computer ist auch das menschliche Hirn theoretisch in der Lage, alle
Varianten
zu prüfen. Aber wie beim Computer hängt das Ergebnis der
Prüfung von den
Eingaben, den Voraussetzungen ab. Daher kann unser „freier Wille“ gar
nicht
dazu führen, etwas Unbedingtes, rein Rationales zu tun, sondern
uns bestenfalls
helfen, etwas zu unterlassen. Obwohl wir spontan oft falsch, weil
voreingestellt reagieren, können wir mit Informationen und
Disziplin durchaus
adäquat denken und handeln, den „inneren Schweinehund“
überwinden. Egozentrik
z. B. ist naturgegeben und gewiss eine Grundeigenschaft menschlichen
Denkens,
die wünschenswerte Abstraktion dagegen die mögliche Folge
eines Lern- und
Denkprozesses. Ob wir allerdings zu einer Abstraktion fähig sind,
hängt von den
uns durch Wissensvermittlung und Sozialisation gegebenen
Möglichkeiten ab. Wer
ängstlich gemacht wurde in der Kindheit wird kaum den Mut zum
eigenständigen
Denken entwickeln. Wer autoritärer Abrichtung, Konsumorientierung,
Gewalt,
Wehleidigkeit, Gefühlsduseligkeit etc. unterworfen war, wird, wenn
ihn niemand
eines Besseren belehrt, in der Reproduktion der falschen Normen sein
Leben
fristen. Niemand kommt z. B. als Antisemit auf die Welt. Zum
Antisemiten wird
man durch Vorbild und Erziehung gemacht. Ob jemand sein Leben lang
Antisemit
bleibt, ist eine Frage von Glück oder Pech, denn über die
Möglichkeiten der
menschlichen Entwicklung entscheiden Bedingungen, auf die
Heranwachsende keinen
Einfluss haben. Daher ist nicht einmal der Wille, sich oder etwas zu
ändern,
wirklich frei, weil abhängig von der Qualität des
vermittelten sozialen und
intellektuellen Denkens. Die Volksweisheit, was Hänschen nicht
lernt, lernt
Hans nimmermehr, ist unter diesem Aspekt betrachtet gar nicht so
dümmlich, wie
sie scheint. Lange
vor der Einschulung
sind die Basisstrukturen unseres Denkvermögens geprägt. Auch
ohne Schule würde
sich der funktionale und soziale Lernprozess fortsetzen als
Differenzierung der
aus Erfahrung gewonnenen Grunderkenntnisse. Freilich lernen Menschen
aus
eigenem Antrieb nur, was ihnen nützlich ist oder scheint. Diese
Beschränkung kann
nur durch den Schulzwang überwunden werden. Erst die Schule, wie
immer sie auch
organisiert sein mag, vermittelt intellektuelles Lernen. Sie kann uns
nicht nur
das Instrumentarium zur Verfügung stellen, effektiver, genauer,
objektiver zu
denken, sondern uns durch anscheinend sinnloses Lernen ungeahnte, aber
relevante Probleme erkennen und lösen lassen. Keinem Kind ist
einsichtig, warum
es grammatikalische Regeln, Differentialgleichungen, Vokabeln,
Geschichtsdaten,
literarische und künstlerische Techniken lernen soll. Und doch ist
es dieses
zunächst irrelevant scheinende Wissen, das uns Zusammenhänge,
Irrtümer,
Probleme und deren Lösungen erst erkennen lässt. Wäre
die Schule nur eine
Agentur des intellektuellen Lernens, könnte ihre Bedeutung
für die menschliche
Emanzipation gar nicht überschätzt werden. Doch zugleich und
hauptsächlich war
und ist sie immer noch eine Agentur der Abrichtung, betrieben und
finanziert
zur Herausbildung brauchbaren Personals. Ihr Bildungskanon ist eben
nicht der
Aufklärung, sondern der Qualifikation geschuldet. Nicht nur im
Sportunterricht
will sie gesellschaftskonformes Leistungsdenken erzeugen. Individuelle
Fähigkeiten fördert sie nur dort, wo sie der herrschenden
Gesellschaftsordnung
nützlich scheinen. So gibt es unzählige Schulen für
musisch , sportlich,
mathematisch, sogar abergläubisch begabte Kinder. Philosophisch,
gar
geschichtlich interessierte Kinder dagegen gelten eher als suspekt,
sind
jedenfalls nicht förderwürdig. Die wirkliche Misere des
Schulwesens liegt nicht
in der Pisakonformität, der Hierarchie der Schultypen, der
Unterrichtsdauer und
Klassengrößen, sondern in ihrer Zwittereigenschaft als
Agentur des
intellektuellen Lernens und des gesellschaftlichen Funktionierens.. In
der
Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgabe der Normierung trägt sie
in der Regel
wesentlich zur Verblödung der Menschen, also der künftigen
Eltern und Lehrer
bei. Daher
bedarf es einer neuen
Pädagogik zur Entfesselung des menschlichen Denkvermögens.
Oder ist es kein
Skandal, dass junge Menschen Unmengen von Bildungsschrott, der allein
der
Stabilisierung von Herrschaftsverhältnissen dient, einpauken
müssen zwecks
Leistungskontrolle, aber so gut wie nichts erfahren über den
Prozess der
nachgeburtlichen Menschwerdung, den sie als Eltern, Bezugspersonen,
Ausbilder
und Lehrer mitgestalten werden? Nichts über die Ursachen von
Ängsten,
Deformationen, unter denen sie als Erwachsene besinnungslos leiden
werden?
Nichts über die Wirtschaftsverhältnisse, denen sie
ausgeliefert sind? Warum
werden im Mathematikunterricht Teilflächen von Kirchenfenstern u.
ä. berechnet
und nicht Profitraten und Lohnentwicklungen? Warum werden im
Deutschunterricht
die Dramen der Dichterfürsten und nicht die raffinierten,
verblödenden
Strickmuster von TV-Soaps behandelt? Warum wird in den Schulen alles
Mögliche
gelehrt, doch nur sehr selten das eigenständige Lernen? Wer
solche Fragen für
rhetorisch hält, muss sich gar nicht rhetorisch fragen lassen,
warum sie ihm
rhetorisch scheinen und sich der einzig möglichen Antwort stellen:
Sie gelten
als rhetorisch, weil sie zur Bewahrung der Herrschaftsverhältnisse
nie wirklich
gestellt und schon gar nicht umfassend beantwortet werden dürfen. Doch
steht es jeder
Lehrerin, jedem Lehrer frei, im Rahmen des vorgeschriebenen Unterrichts
auch
solche Fragen zu diskutieren. Wer sich dieser Aufgabe entzieht, wirkt
trotz
allem pädagogischen Engagement als Büttel – nicht einmal des
Staates, sondern
jener demokratisch niemals legitimierten Clique, die den Staatsapparat
nur zur
Durchsetzung ihrer Herrschaftsinteressen nutzt. Wenn
Demokratie kein
Schwindel sein soll, braucht sie Demokraten, die wissen, worüber
sie reden und
abstimmen. Wirkliche Demokratie ist abhängig von der
Informiertheit der
Demokraten, also von der Qualität der Medien. Da von BILD und RTL,
von Pfaffen
und anderen Lobbyisten, von Parteikarrieristen, mentalen
Schrebergärtnern und
den Wahrsagern des drohenden Untergangs keine Aufklärung zu
erwarten ist,
bleibt als Hoffnungsträger nur die Schule. Bezahlt vom Volk hat
sie nur dem
Volk und niemand anderem zu dienen. Gewiss ist es naiv, ausgerechnet
von der
Schule die Revolution der Köpfe zu fordern. Aber jeder Versuch,
propagandistische Lerninhalte durch die Lehre des intellektuellen
Denkens zu
entlarven, erkennbar zu machen, ist aller Mühen wert. Denn
erfolgreiche
Revolutionen kann man nicht einfach auf die Tagesordnung setzen,
sondern nur
vorbereiten. Ausbrechen werden sie, wenn es so weit ist, von selbst. © 2008 Karl Pawek |
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