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a . Der Schutzbetrug

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Nun stehen oder sitzen sie auch in Deutschland bei nasser Kälte vor den Restaurants, Kneipen und Kaffees: Raucher, denen aus angeblichen Gesundheitsgründen verboten wurde, in Lokalen zu rauchen. Für gewöhnlich ist auf den Antiamerikanismus der Deutschen Verlass, doch den amerikanischen Antiraucherwahn teilen sie uneingeschränkt. Offensichtlich scheint ihnen das Rauchen noch sehr viel gefährlicher als der viel gescholtene american way of life. Gespannt warte ich darauf, ob je eine Statistik die Zahl derer melden wird, die sich beim erzwungenen Freiluftrauchen eine Blasen- oder Lungenentzündung geholt haben. Wahrscheinlich aber werden diese Erkrankten einfach den Raucheropfern zugerechnet, soweit der Rauch aus Zigaretten stammt. Denn obwohl das Abbrennen von Kerzen, Weihrauch, Duftstäbchen oder Kaminholz nicht weniger gefährliche Stoffe freisetzt als glimmende Zigaretten, veredelt für das deutsche Gemüt in diesen Fällen die Gemütlichkeit den Rauch zur Wohltat. Irrational kann dies nur dem erscheinen, der den deutschen Spießer nicht kennt. Er scheut die Vernunft und liebt den Wahn, was sich nicht nur die Nazis zunutze machten.

Wahn hat die beängstigende Eigenschaft, grenzenlos zu sein. Es gibt keinen partiellen Wahn, auch wenn sich die meisten Wahnsinnigen seines Potentials nicht bewusst sind und glauben mögen, mit der Befriedigung des aktuellen Wahns sei die Angelegenheit erledigt. Zwar ist dem Wahn mit rationalen Argumenten nicht beizukommen, doch Mitläufer, denen noch ein Restverstand geblieben ist, könnten sich vielleicht noch entwahnen lassen durch Vernunft. Dies nicht zumindest zu versuchen wäre leichtfertig.

Quelle jedes Wahns ist die Angst, im aktuellen Fall die Angst um die Gesundheit, allgemeiner die Angst vor dem Risiko. Sie verhindert die Nutzung der Kernenergie, treibt viele Menschen in den milliardenteuren, unsinnigen, wenn auch für einige wenige sehr profitablen Kampf gegen den Klimawandel und verteufelt das Rauchen. Voraussetzung des Wahns ist der naive Glaube an Monokausalitäten, die sich entsprechend einfach beherrschen ließen, z. B. beim Passivrauchen.

Horrorzahlen von Raucheropfern erlauben schlichten Gemütern nur den Schluss: Rauchverbot. Tatsächlich aber ist noch kein Mensch am Passivrauchen gestorben. Zigarettenrauch kann schlimmstenfalls einem geschwächten, kranken oder genetisch defekten Körper den Todesstoß versetzen. Alle jene, die laut Statistik am Passivrauchen gestorben sind, hätten in rauchfreier Umgebung an einer Infektion, an den Folgen eines Sturzes, am Verschlucken, beim Laufen, Vögeln, Essen sterben können, also an jeder Belastung, die ihr Körper nicht mehr verkraften konnte. Dass ihnen vielleicht tatsächlich Zigarettenrauch den Garaus machte, ist traurig, wird aber durch die Tatsache relativiert, dass ihre reduzierte Widerstandskraft auch anderen Belastungen nicht standgehalten hätte. Bei vielen Volksmarathonläufen sterben Teilnehmer, aber noch niemand kam auf die Idee, die Trikots mit dem Warnhinweis „Marathonlaufen ist tödlich“ zu versehen, denn anders als beim Passivrauchen werden hier Anlass und Ursache nicht verwechselt.

Wer aus Unwissenheit über deren Komplexität gesundheitliche Risiken ausschließen oder minimieren will, darf sich nicht auf ein Rauchverbot beschränken. Verboten gehören Kerzen und Duftstäbchen, verboten muss auch das Weihrauchschwenken durch jugendliche (!) Ministranten werden. Überhaupt sollte niemand katholische Kirchen oder arabische Souks ohne Sauerstoffmaske betreten. Der Gebrauch von Kondomen ist schon fast selbstverständlich, hier bietet sich ihre Verordnung an. Und was denken sich eigentlich die Millionen Menschen, die sich täglich küssen? Ahnen sie überhaupt, welche Heerscharen von Bakterien sie dabei austauschen? Neben dem Küssen müsste auch jedes Händeschütteln, jede unbehandschuhte Berührung von Türgriffen vermieden werden. Dringend abzuraten ist von Krankenhausaufenthalten. Sogar Ärzte geben zu, dass mehr Menschen an Infektionen sterben, die sie sich während eines Krankenhausaufenthaltes zugezogen haben, als am Passivrauchen. Wer wirklich sicher leben will, darf keinesfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder auf Massenveranstaltungen gehen, denn jedes Niesen eines Nachbarn kann den Tod bringen. Am besten bleiben Menschen, die Gesundheitsrisiken scheuen, ganz zu Hause. Damit ist aber das Problem der Ernährung noch nicht gelöst. Der Verzicht auf Zucker und Fett ist selbstverständlich. Aber auch abgepackte Wurst oder Lachs, Rohmilchkäse, Obst übertragen Giftstoffe und Bakterien, die für geschwächte Körper schreckliche Folgen haben können. Alles Essen, auch das Trinkwasser, gehört gründlich abgekocht, bevor es verzehrt wird. Wer konsequent is(s)t, beschränkt sich besser gleich auf den Verzehr von Milupa Kinderbrei in der Hoffnung, Verunreinigungen im Produktionsprozess können künftig vermieden werden. Zum Glück macht niemanden heiß, was er oder sie nicht weiß, z. B. über die Nebenwirkungen von Deodorants, die Wechselwirkungen von Tabletten, die Folgen der Reinlichkeit. Wenn immer mehr Menschen an Allergien leiden, könnte dafür der Sauberkeitszwang verantwortlich sein, der die Entstehung von Abwehrkräften verhindert.

Wenn das Rauchen nur annähernd so gefährlich wäre, wie „Experten“ behaupten, dürfte die Lebenserwartung der Menschen vor Einführung der Antirauchergesetze nicht so eindrucksvoll gestiegen sein, verkürzt doch das Rauchen die Lebenserwartung je nach „Experten“meinung um 5 oder 7 oder 9 oder 12 Jahre. Nie wurde in Deutschland mehr geraucht, als im 20. Jahrhundert, und nie ist die Lebenserwartung stärker gestiegen als in diesem Zeitraum.

Inkonsequent sind auch die Gesundheitsschutzgesetze in ihrer Beschränkung auf Restaurants, Kneipen und Lebensmittelläden. In einer rational denkenden Gesellschaft wäre eine Kennzeichnungspflicht von Raucherlokalen ausreichend gewesen. Jeder Nichtraucher hätte sie meiden können. Das totale Rauchverbot soll angeblich ahnungslose Nichtraucher davor bewahren, plötzlich Tabakrauch ausgesetzt zu sein. Wer aber denkt an die arme Mutti aus der Provinz, die sich in einen Pornoladen verirrt. Was sie dort zu sehen bekommt, kann einen Schock fürs Leben bei ihr auslösen. Sollten daher nicht Pornoläden künftig pornofrei gehalten werden? Und wer denkt an die Millionen Vegetarier, denen sich beim Anblick einer Schweinehälfte in der Metzgerauslage der Magen umdreht? An die Millionen Muslime, denen die Haar- und Busen- und Hinternpracht deutscher Frauen Pein zufügt? Verdienen sie keinen Schutz?

Zumal der Schutz schon bei den Nationalsozialisten ein beliebter Vorwand war, die wenigen Oppositionellen und alle nicht als arisch geltenden Menschen „zum Schutz von Volk und Staat“, „zum Schutz des deutschen Blutes“, „zum Schutz der Volksgesundheit“ durch die „Schutzpolizei“ in „Schutzlager“ zu verfrachten. Auch bei den in allen Bundesländern verabschiedeten Gesetzen zum „Schutz der Gesundheit“ geht es letztlich nicht um die Gesundheit der Bürger. Wer noch bei Verstand ist und diese Behauptung dennoch bezweifelt, sollte sich das Abstimmungsverhalten der deutschen Volksvertreter bei Antirauchergesetzen anschauen. In der Hamburger Bürgerschaft z. B. geben sich Regierungs- und Oppositionsparteien spinnefeind. Egal worum es geht, um Kohlekraftwerke, Radwege, Elbvertiefung, Schulformen, Privatisierung, Erziehungsheime, was die Regierungspartei CDU will, wird von der Opposition aus SPD und Grünen bekämpft, was diese vorschlagen, von der CDU verteufelt. Nur das „Gesetz zum Schutz der Gesundheit“ („Ziel des Gesetzes ist der Schutz der Bevölkerung (also auch der Raucher? K. P.) vor gesundheitlichen Gefahren durch Passivrauchen“) wurde einstimmig, sogar ohne Enthaltung verabschiedet. Einstimmigkeit in einer Demokratie deutet immer darauf hin, dass es bei der Wahl um Höheres als den formulierten Inhalt geht – ganz im Sinne Kaiser Wilhelms, der in einer kritischen Situation keine Parteien mehr kannte, nur noch Deutsche. Die Raucherschutzgesetze sind mehr als nur ein Tribut an den Zeitgeist. Sie dienen der Einübung in die Unterwürfigkeit, der Gewöhnung an den Staatsterror in kommenden schwierigen Zeiten. Jeder Raucher, aber auch jeder politisch bewusste Nichtraucher, der solchen Volksvertretern seine Stimme gibt, wird dies noch bitter bereuen.

© 2008 Karl Pawek
pawek@web.de

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