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a . Der wundersame Fluss des Geldes

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Buddhistische Mönche in Thailand haben eine Form des Spendensammelns entwickelt, deren Einfachheit und Unverbrämtheit beeindruckt. Sie benötigen dafür nur einen Eimer voller 1-Baht-Münzen und einige kleine Schalen, die den Wochentagen, Monaten und Wunschkategorien zugeordnet sind. Für jeden 20-Baht-Schein erhalten Hilfesuchende von einem Mönch eine Hand voll Münzen, die der Bittsteller, z. B. ein Schüler, der am Mittwoch eine Prüfung bestehen möchte, auf die entsprechenden Schalen verteilt. Noch während die Gläubigen spenden, entleert ein zweiter Mönch gefüllte Schalen in den großen Geldeimer, aus dem die Münzen wieder gegen Geldscheine an die nächsten Bittsteller verkauft werden. Bei täglich 300 Geldwechsel in Höhe von jeweils 20 Baht = 50 Cent nimmt der Tempel im Jahr 54 000 Euro ein. Einzige Voraussetzung dieses Geschäftsmodells ist der Glaube, zumindest die Hoffnung, ein Obolus könne den Lauf der Dinge beeinflussen.

Nun ist Thailand verglichen mit europäischen Staaten immer noch ein armes Land. Um wie viel größer könnten die Erträge in Europa sein, wenn es hier gelänge, aus Glauben nicht nur Almosen, sondern wirklich profitable Umsätze zu generieren? Die EU hat es ausgerechnet: 270 Milliarden Euro pro Jahr und das 40 Jahre lang. Da der Glaube an eine Klimazähmung abgrundtief und unerschütterlich ist bei den Bürgern, brauchen sich Regierungen und Kommissionen gar nicht erst um eine freiwillige Entrichtung des Klimaobolus zu bemühen, können sie die Abgabe schlicht dekretieren. Daher wird in den nächsten 40 Jahren jeder EU-Bürger, ob Kind oder Greis, dement oder eingesperrt, ob Raucher oder Veganer 540 Euro jährlich aufbringen für den Klimaschutz. Insgesamt soll es allein den Unionsbürgern 10,8 Billionen Euro wert sein, die prognostizierte Erderwärmung um 2 Grad zu reduzieren.

Dies wirft Fragen auf, deren Beantwortung Gläubige freilich nicht interessiert: Wie groß ist tatsächlich der menschliche Anteil am Klimawandel? Warum waren zwischen 1000 und 1300 n. Chr. in Europa die Durchschnittstemperaturen um bis zu 1,8 Grad höher, um 1500 um 3,2 Grad tiefer als im 20. Jahrhundert? Kann auch ohne Autoabgase, Kohlekraftwerke etc. in nur 500 Jahren das Klima um 5 Grad schwanken? Hatte das Abschmelzen aller Eismassen auf Grönland katastrophale oder zivilisatorische Folgen? Ist menschliches Handeln wirkungsmächtiger als die Sonnenkraft?

Aus der Geschichte der Religionen wissen wir, dass Vernunft und Wissenschaft oft Jahrhunderte brauchen, Glaubenssätze zu überwinden. Noch gibt es einige Wissenschaftler, die gegen den Klimawahn argumentieren, aufklären, aber ihre Lage ist auf absehbare Zeit hoffnungslos. Gegen 10 Billionen Euro Umsatzperspektive ist jede Vernunft machtlos. Zumal  Klimakatastrophenmaler Forschungsmittel fast nachgeschmissen bekommen, wogegen Aufklärer auf eigene Kosten arbeiten müssen und kaum noch Möglichkeiten zur Veröffentlichung ihrer Untersuchungen finden.

Oft hat der Wahn auch komische Züge. Ausgelöst wurde die Klimaangst von der Atomindustrie, die sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einige Wissenschaftler kaufte und sie im Club of Rome die Schädlichkeit konventioneller Energieträger propagieren und statt dieser die Atomenergie preisen ließ. Das Resümee nach vierzig Jahren: dumm gelaufen.

Dümmer noch entwickelte sich seither der Zeitgeist vor allem in Europa. Satte Gesellschaften tendieren immer dazu, den relativ angenehmen Status quo bewahren zu wollen. Nichts scheut der Spießbürger mehr als Veränderung, weil sie immer mit einem Risiko verbunden ist. Ungewöhnlich an dieser durchaus nachvollziehbaren Haltung ist allerdings ihre Durchdringung der Gesellschaft bis in die Masse jener, die überhaupt nichts zu verlieren haben. Heute glauben auch die ärmsten Dummköpfe, dass das Aussterben einer Tierart, wie es die Welt schon millionenfach erfahren hat, eine Katastrophe ist. Und Leute, die zu blöd sind, die Funktionsweise einfacher technischer Geräte wie Handy oder Computer zu verstehen und sie daher nur bedienen können, sind plötzlich davon überzeugt, dass wir Menschen das launisch wirkende Klima beherrschen könnten.

Die lautesten Propagandisten dieser irrwitzigen menschlichen Selbstüberschätzung sind zum größten Teil jene, die in ihrer Jugend mit bester Absicht die weltzerstörerische Wirkung eines Atomkrieges vorhergesagt haben. Dabei hätte auch ich Friedensaktivist schon damals wissen müssen, dass jede größere Naturkatastrophe mehr zerstörerische Energie freisetzt als die Zündung aller vorhandenen Atomwaffen. Aus dieser Selbstüberschätzung menschlicher Kräfte lässt sich der Entwicklungsstand der Menschheit ableiten: Ihm entspricht im Menschenleben die Phase der Infantilität.

Naiv ist es heute anzunehmen, dass 10 Billionen Euro für den Klimaschutz in der EU ausreichen würden, das Weltklima zu stabilisieren. Jeder Asienreisende ahnt, dass dort veraltete Motoren mehr Kohlendioxyd ausstoßen, als in Europa durch alle erdenklichen Maßnahmen eingespart werden können. Es wäre daher billiger und effektiver, allen asiatischen Vehikelfahrern saubere Motoren, die sie sich nicht leisten können, zu schenken, um die gleiche klimaschonende Wirkung zu erreichen. Doch wäre ein solches Vorgehen nicht systemkonform im Kapitalismus. Daher wird eine neue Art des Imperialismus entstehen. Zum Wohle der – vor allem unserer – Welt werden wir uns veranlasst sehen, die Mehrheit der Menschheit, die gerade dabei ist, mit veralteten Technologien ein wenig menschlichere Zustände zu schaffen, zum Klimaschutz zu zwingen, wenn – wir vorhersehbar – der Klimawahn bei ihnen nicht greift.

Die Lage scheint mir hoffnungslos. 10 Billionen Euro sind eine Menge Geld, mehr jedenfalls, als sich die meisten EU-Bürger vorstellen können, die ohne finanzielle Gegenleistung, ohne künftige Ersparnis, nur im Vertrauen darauf, dass es nicht so warm wird wie angedroht, jährlich 540 Euro abstottern müssen. Zwar werden durch dieses Geld neue Industrien, neue Arbeitsplätze geschaffen, aber dies könnte auch durch jede Förderung anderer, zukunftsträchtigerer Projekte erreicht werden. Weil aber Angst (z. Zt. vor einem Klimawandel) Fantasie tötet, dafür Schreckgespenster gebiert, sind keine wichtigeren, humaneren Alternativen vermittelbar.

So bleibt nur Bilanz zu ziehen. Wo landen die 10 Billionen Euro? Ein geringer Teil bei den Schlaumeiern, z. B. den Leuten, die ihren privat erzeugten Wind- oder Solarstrom teuer an die Gemeinschaft verkaufen und selbst billigen (Atom-) Strom nutzen. Ein schon etwas größerer Teil fließt als Steuern und Abgaben in die Kassen der EU-Staaten, die damit ihren ruhig zu stellenden Sozialhilfeempfängern einen Bruchteil der höheren Energiekosten erstatten werden. Den größten Teil bekommen Unternehmer und „Investoren“. Da in diesen Branchen mit einer Umsatzrendite von 10% gerechnet werden kann, dürfte sich der durch den Klimawahn erzielbare Zusatzprofit auf mindestens 700 – 800 Milliarden Euro belaufen. Darüber hinaus finanzieren ihnen die EU-Bürger in den nächsten 40 Jahren einen Zuwachs des Betriebsvermögens, der wohl höher ausfällt als seine nachträgliche Reduzierung durch steueroptimierte Abschreibungen.

Die Bilanz würde völlig anders ausfallen, wären die am Klimageschäft beteiligten Unternehmen im Gemeinschaftseigentum. In diesem Fall wäre nur die Investitionsentscheidung fragwürdig, wogegen die von jedem EU-Bürger jährlich aufzubringenden 540 Euro wenigstens den Wert ihrer Eigentumsanteile mehren würden. Doch der Kapitalismus nährt sich nicht davon, dass Investitionen im Besitz derer bleiben, die sie durch ihre Arbeit, Abgaben, Spargroschen bezahlen, sondern durch Ausbeutung und – in seinem höher entwickelten Stadium – durch Umverteilung. Auch wenn ich daran zweifle, dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen kann, bewirkt er doch wundersame Phänomene wie den Fluss des Geldes von unten nach oben aus den Taschen sehr vieler Armer auf die Konten sehr weniger Reicher.

© 2011 Karl Pawek
pawek@web.de

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