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a . Die Mär von der Gleichheit  

. Menschen, die durchaus fähig sind, zwischen eckig und rund, dick und dünn oder hart und weich zu unterscheiden, behaupten seit fast drei Jahrhunderten immer wieder, alle Menschen seien gleich. Die Klügeren unter ihnen meinen damit freilich etwas anderes, als sie sagen: Sie wollen bekennen, dass sie alle Menschen für gleichwertig halten. Da sie aber sehr wohl spüren, dass Wertigkeit ein leicht veränderbares, instabiles Gut ist, sind sie nur allzu gerne bereit, die erstrebenswerte soziale Übereinkunft auf eine biologische Prämisse zu reduzieren: Alle Menschen sind gleich.
Zum Glück ist das Blödsinn. Zwar ähneln sich Schwarze und Weiße, Roma und Friesen mehr, als vielen von ihnen lieb sein dürfte. Genetisch jedenfalls sind die Unterschiede zwischen zwei durchschnittlichen Vertretern unterschiedlicher Rassen geringer als zwischen vielen Angehörigen einer Rasse untereinander. Das ändert aber nichts daran, dass kein Mensch auf dieser Welt Ihnen oder mir gleicht. Und seit kurzem können wir sogar genetisch nachweisen, dass die Unterschiede zwischen uns nicht nur sozial bedingt sind.
Auch die Vermutung politisch Eingebildeter, das Postulat der Gleichheit egalisiere das Verhältnis der Menschen zu den Institutionen ihrer Staaten, hält keiner Überprüfung stand. Nicht einmal vor den Gerichten sind wir Menschen, wie zahlreiche Untersuchungen belegen, gleich. Ob und wie jemand für seine Taten bestraft wird, hängt sehr von seiner Hautfarbe, seinem Vermögen, seiner Ausbildung etc. ab. Und natürlich von dem Gericht, vor dem er sich zu verantworten hat. Denn sogar Richter sind nicht gleich.
Vollends absurd wird die Behauptung dort, wo sie am vehementesten vertreten wird, bei der angeblichen Gleichheit von Mann und Frau. Gewiss, Körpergröße, Lungenvolumen, Muskulatur und vieles mehr sind nur historisch bedingte Unterscheidungsmerkmale, Spuren unserer Geschichte. Auch unterschiedliche, als typisch männlich und typisch weiblich klassifizierte Verhaltensweisen haben zumeist keinen biologischen, sondern einen sozialen Ursprung und unterliegen daher zwar langsamer, doch stetiger Veränderung.
Aber nicht nur unübersehbar, sondern zumindest für absehbare Zeit auch unveränderlich sind die reproduktiven Unterschiede zwischen Mann und Frau. Mehr als die ungleiche Form der Geschlechtsteile, die so unähnlich einander gar nicht sind, unterscheiden innere Organe und ihre Funktionen Mann und Frau. Die Gebärmutter ist kein gutmütiger Auswuchs, wie ihn jede/r haben kann, sondern ein sehr komplexes, eigenständiges Organ, und Eierstöcke oder Hoden brauchen ihre jeweils ganz spezifische Chemie.
Nichts unterscheidet Menschen mehr als ihre angeborene Fähigkeit, Kinder gebären oder Eizellen befruchten zu können. Dieses Schicksal differenziert Menschen nicht nur in einigen körperlichen Funktionen, sondern auch in der Mentalität. Der biologische Sinn eines Manneslebens ist es, seinen Samen möglichst zahlreich auszustreuen, während eine Frau die beste Samenqualität für ihre vergleichsweise wenigen Eier wählt. Die gesellschaftlichen Spielregeln, unter denen sich die Prozedur abspielt, dürfen nicht vergessen machen, dass viele männliche wie weibliche Verhaltensweisen direkt aus diesem biologischen Unterschied resultieren. Er setzt jeder Umerziehung Grenzen: Selbstverständlich kann man Männer zur Treue verpflichten, doch wenn die mentale Kastration sie zu Ochsen gemacht hat, werden sie bald auch biologisch nutzlos. Und selbstverständlich können Frauen ihre Menstruation wegstecken wie einen periodischen Kater, ihre Fruchtbarkeit verdrängen und werden doch nur komisch und einsam dabei.
Was aber macht es gerade für bildungsbürgerliche Menschen so schwierig, die Ungleichheit von Mann und Frau, von Schwarzen und Weißen, Dicken und Dünnen zu akzeptieren? Unsere primitiveren Nachbarn haben weniger Probleme damit, da gilt die Frau als Votze und der Mann als Schwanz, da wimmelt die Welt von Negern und Schlitzaugen, ohne dass Rassismus und Sexismus schlimmere Formen zeigen als im Bürgertum, sogar im politisch korrekten. Natürlich haben primitive Menschen mehr Angst, doch erst die ideologische Propaganda des Bildungsbürgertums (oder adäquater Gruppen in anderen Gesellschaften) wandelt die Angst in Hass. Antisemitismus z. B. ging nie vom gemeinen Volk aus, sondern musste ihm von den Gebildeten erst gepredigt werden.
Wahrscheinlich stammt die Beschwörung der Gleichheit aus der bürgerlichen Revolution, jener kurzen fortschrittlichen Epoche, als das Bürgertum nicht ganz selbstlos die Teilhabe an der Macht forderte. Da es sich dabei um einen sozialen Kampf handelte – niemand wollte dem inzüchtigen, debilen Adel gleichen, nur die Gleichberechtigung wurde erstrebt – diente das Gerede von der Gleichheit als Propagandatrick. Andernfalls hätte der Bürger seine Ambitionen mit der weit weniger eindrucksvollen Forderung „Ich auch“ verfechten müssen. Die Gleichheit war nur das Totschlagargument, um selbst an die Fleischtöpfe der Macht zu gelangen. Als Kapitalisten sahen die erfolgreichen Revolutionäre die Gleichheit schon sehr viel differenzierter. Nicht einmal mehr gleicher Lohn für gleiche Arbeit passte ihnen in ihr Konzept, und in dem bislang vergeblichen Versuch der Sozialisten, wenigstens die Lebensverhältnisse der Menschen anzugleichen, sahen sie nur üble Gleichmacherei.
Weil die Gleichheit das Fundament ihrer Emanzipation ist, müssen die Bildungsbürger sie immer wieder beschwören. Weil sie sich aber selbst ganz gut kennen, halten sie ihre Mitmenschen für schlecht und dumm. Als Egozentriker, die die Welt allein aus ihrer Perspektive betrachten können, ist niemand so viel wert wie sie sich selbst. Die anderen mögen ihre Meriten haben, vor allem wenn und solange sie nützlich sind, nur die eigene Bedeutung, Wichtigkeit, Wertigkeit erreichen sie nie. Die Behauptung also, jemand sei gleich viel wert wie man selbst, wäre eine zu offensichtlich Lüge. Das Gebot der Gleichheit dagegen lässt genügend Spielraum, um durch Schicksal, meist in Form einer Erbschaft, Unterschiede entstehen zu lassen, die eine gewiss bedauerliche Ungleichwertigkeit nicht nur beim Arbeitslohn erklären, begründen können.
Wie jede politische Korrektheit dient auch das Geschwätz von der Gleichheit letztlich dazu, die wirklichen Verhältnisse bis zur Unkenntlichkeit zu vernebeln, um sie bloß nicht ändern zu müssen. Denn das Versprechen einer Gleichheit kostet nichts, wogegen eine Garantie der Gleichwertigkeit revolutionäre Veränderungen aller bestehenden Gesellschaften voraussetzen würde. Man könnte die Prediger der Gleichheit sogar für schlau halten, wäre ihre politische Korrektheit nur verlogen und nicht auch noch so unerträglich selbstgerecht. Die Propagandisten der politischen Korrektheit konservieren nämlich nicht nur die Verhältnisse, sondern halten sich dabei auch noch für edel, politisch selbstlos. Das macht sie zu einem verlogenen Pack, zur späten Avantgarde des immer feigen, bigotten, heuchlerischen Kleinbürgertums. Wer möchte ihnen schon gleichen? Es ist lästig genug, doch unabdingbar, dass Ihresgleichen gleich viel wert sind wie Sie und ich.
Statt die Unterschiede zu leugnen, sollten wir sie achten und feiern. Erst die Vielfalt schafft Veränderung, erst der Streit führt zur Erkenntnis. Die kleinbürgerliche, heute vor allem ökologisch getarnte Sehnsucht nach Harmonie und Beständigkeit, der faschistoide Zwang, Neurosen zum Gemeinwohl zu erklären und Andersartige wie z. B. Raucher allem Gleichheitsgeschwafel zum Trotz aus öffentlichen Gebäuden zu verdrängen, lähmt diese Gesellschaft und treibt sie in eine Aggressivität, deren barbarische Formen jedem Gutmenschen zu Tode erschrecken müsste, bliebe ihm bei all seinen Lebensängsten nur das Quäntchen Fantasie, sie wenigstens zu ahnen.
Wer als Kapitalist andere ausbeutet, ist ein Gauner. Wer als Sozialist andere erziehen will, ist ein Narr. Wer aber – im übrigen immer vergebens – sein ganz privates Streben nach Ruhe, Wohlstand und Selbstgefälligkeit als Menschen-, Tier- oder Umweltschutz tarnt, ist ein lausiger Betrüger. Er gaukelt durch politisch korrekten Missbrauch der Sprache Verhältnisse vor, die nur ihm und Seinesgleichen nützen und daher – wie der Bestand irgendwelcher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten - ewig dauern sollen. Unter Gaunern und Narren tobt das Leben, unter den Korrekten nur der Wahnsinn. Auch sie für gleichwertige Menschen zu halten, ist eine harte Prüfung. Wer sie besteht, darf sich wahrer menschlicher Größe rühmen. 


© 2002 Karl Pawek
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