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Entpolitisierte
Bundesbürger, also die meisten Deutschen, mögen es für
einen Zufall halten. Im
Juni 2007 erklärte die deutsche Ministerin Heidemarie
Wieczorek-Zeul: „Der
Klimawandel ist das größte Sicherheitsrisiko, dem sich diese
Welt gegenüber
sieht.“ Drei Monate später pflichtete ihr Osama Bin Ladin in einer
Videobotschaft, in der er nebenbei die Amerikaner aufforderte, zum
Islam zu
konvertieren, bei. Nicht er und seine Ideologie, sondern der
Klimawandel sei
„die größte Plage und gefährlichste Bedrohung für
die Menschheit“. Wer diesen
Gleichklang als globale Anbiederung an den Zeitgeist abtut, denkt zu
kurz –
zumindest im
Fall Wieczorek-Zeul. Die „rote Heidi“, Jg. 1942, Lehrerin,
Entwicklungshilfeministerin unter Schröder und Merkel, glaubt wohl
wirklich an
die Klimakatastrophe. Doch schlimmer ist, was Frau Wieczorek-Zeul sonst
noch
alles glaubt: Im Januar 2004 beschuldigte sie die USA des „aggressiven
Unilateralismus“ (der angriffslustigen Verfolgung nationaler
Interessen, K. P.)
und prophezeite, die USA werde im Irakkrieg „Schuld für das Leid
und den Tod
von Hunderttausenden von Menschen auf sich laden“. Im September 2004
erkannte
sie in der Opferung junger amerikanischer Soldaten im Irak-Krieg ein
„wirkliches Verbrechen“. In ihrem unermüdlichen Kampf für die
Menschenrechte
forderte sie 2006, internationalen Druck auf die USA auszuüben,
das Gefängnis
auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan zu
schließen, weil dort
Bedingungen herrschen würden wie in Guantanamo. Und erst
unlängst warnte sie
die USA davor, Iran wegen dessen Atompolitik zu drohen. Wie Osama
Bin Ladin mag Frau
Wieczorek-Zeul die Amerikaner nicht. Aber im Unterschied zur deutschen
Ministerin bekennt er sich zu seinem Antiamerikanismus. Ginge es Frau
Wieczorek-Zeul wirklich um die Menschenrechte, müsste sie auch
terroristische
Mörderbanden wie die sunnitischen, schiitischen, die Hizbullah-
und
Hamas-Milizen scharf verurteilen. Doch das Gegenteil ist der Fall. So
teilt sie
mit Osama Bin Ladin die Einschätzung, Israels Verhalten im
Libanon-Krieg sei
völkerrechtlich inakzeptabel gewesen. Auch das Vorgehen der
israelischen Armee
im Gazastreifen kritisierte sie scharf, ohne freilich die mehr als 700
Raketen
zu erwähnen, die zu dieser Zeit von der Hizbullah-Miliz auf Israel
abgeschossen
wurden. Vielmehr forderte sie im März 2007 ganz im Sinne Bin
Ladins die
Anerkennung der Anfang des Jahres gewählten Einheitsregierung von
Hamas und
Al-Fatah auch ohne deren Akzeptanz eines Gewaltverzichts, ohne
Anerkennung des
Existenzrechts Israels und ohne Bestätigung der noch von der PLO
mit Israel
geschlossenen Verträge. Nun flog
Frau Wieczorek-Zeul
zu Herrn Assad nach Syrien. Während andere EU-Staaten Syrien wegen
seiner
Unterstützung der Hamas und der Hizbullah-Miliz kritisieren, die
UN den von
Syrien geförderten Waffenschmuggel für die Hizbullah
über die
syrisch-libanesische Grenze verurteilten und die Verstrickung syrischer
Machthaber in die Ermordung libanesischer Politiker untersuchen lassen,
während
die syrische Herrscherclique Abgeordnete, Intellektuelle und
Unternehmer, die
ihr durch Artikel 38 der syrischen Verfassung garantiertes Recht auf
freie
Meinungsäußerung in Anspruch nehmen, in Gefängnisse
sperrt und zu schwerer
Lagerarbeit zwingt, wie sie nicht einmal einsitzende Massenmörder
in Bagram
leisten müssen, überbrachte Frau Wieczorek-Zeul der syrischen
Führung 34
Millionen Euro Finanzhilfe und 10 Millionen Euro für technische
Zusammenarbeit.
Ob die bei den sauerländischen Bombenbastlern sichergestellten,
aus Syrien
stammenden und von einem Kurier eingeschleusten
Militärsprengzünder bereits aus
dem 10-Millionen-Etat für technische Zusammenarbeit bezahlt
wurden, entzieht
sich meiner Kenntnis. Gewiss kann
man von einer
Ministerin für Entwicklungshilfe, die auf Grund ihres Amtes den
Unsinn verwalten muss (über die
Folgen von
Entwicklungshilfe s. „Gütiger Imperialismus“), nicht politische
Einsicht,
analytisches Denken, historisches Bewusstsein erwarten. Wie viele ihrer
Kolleginnen und Kollegen redet sie, wie ihr der Schnabel gewachsen ist,
und
denkt sie, wie es ihr gelehrt wurde, nämlich deutsch. Doch die
44-Millionen-Zuwendung für ein Regime, das Israel und, wenn es nur
irgendwie
möglich wäre, auch die USA vernichten möchte, ist nicht
ihrem dumpfen
Gerechtigkeitsgefühlen zu verdanken, sondern einem
Regierungsbeschluss. Wie es wohl auch die
Bundesregierung war, die Außenminister Steinmeier am 2.9.2007 zur
Eröffnung
eines jüdischen Kulturzentrums in Berlin entsandte. Hätte es
sich z. B. um eine
katholische Akademie gehandelt, wäre zwar kaum die
Sektenbeauftragte der
Bundesregierung, aber wohl der Innenminister oder die Ministerin
für Bildung und
Forschung zur Einweihung erschienen. Um ein mehrheitlich von deutschen
Juden
finanziertes Bildungszentrum für deutsche Juden kümmert sich
in Deutschland der
Außenminister. Wenn sich in all dem nicht die übliche
Melange aus
Antiamerikanismus und Antisemitismus manifestiert, worum handelt es
sich dann? © 2007 Karl Pawek
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