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a . Neuronale Mülltrennung 

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Es ist an der Zeit, dass Deutschland sich ein neues Wappen sucht. Der Adler, auch in seiner fetten Wirtschaftswunderversion, symbolisiert längst nicht mehr deutsches Wollen und Handeln. Die Sehnsucht nach Teilhabe an der Volksgemeinschaft beherrscht wieder das deutsche Denken. Ich schlage den Grünen Punkt als neues Wappen vor.

Es erschien mir immer rätselhaft, warum so viele Menschen überaus bereitwillig ihren Müll trennen. Die Forderung muss ihnen einsichtig erscheinen, obwohl ihr ökologischer wie ökonomischer Nutzen von Anfang an umstritten war. Da aber längst nicht alles, was einsichtig ist, auch angewandt wird, müssen bei der Mülltrennung noch andere Motive eine Rolle spielen. Die Begeisterung, mit der sich sogar Kinder den doch relativ komplizierten Regeln unterwerfen, lässt mich vermuten, dass dem Sortieren des Mülls ein unbewusstes Bedürfnis zugrunde liegt.
Mülltrennung ist eine der wenigen Tätigkeiten, durch die man sich ohne weitere Verpflichtungen gesellschaftlich einbringen, nützlich machen kann. Wahrscheinlich ist die Sehnsucht, irgendetwas Sinnvolles (freilich nur ganz nebenbei) machen zu können, so groß, dass fast jedes konsensfähige Projekt dankbar angenommen worden wäre. In einer Welt, an der die meisten Menschen nur als funktionierende Zuschauer teilhaben, während die unverstandenen Ereignisse von ihnen wie Naturgewalten empfunden werden, gibt es nur wenige Möglichkeiten einer sozialen Selbstverwirklichung. Die Mülltrennung schenkt das seltene Gefühl, aus Überzeugung etwas Gutes zu tun. Um so bitterer ist es, dass sich auch die Mülltrenner nur als nützliche Idioten erweisen.
Aber die Idee war wirklich genial. Im Auftrag und zum Wohl von rund 700 Aktionären des Dualen Systems mussten nur alle Produzenten von verpackten Waren zur Zahlung von Lizenzgebühren verpflichtet werden. Dies besorgte der Staat. Da die Gebühren den Verbrauchern in Rechnung gestellt werden, war der Widerstand der Unternehmen gering. Und die Verbraucher, daran gewöhnt, dass alles teurer wird, merkten nicht einmal, dass sie zusätzlich zu den Müllgebühren fast 2 Milliarden Euro jährlich für die Rücknahme der Verpackungsmittel bezahlen. (Noch heute sind viele der Meinung, die Tonne mit dem grünen Punkt koste sie nichts.) Der finanzielle Charme dieser Lösung liegt nicht nur in der Zwangsabgabe, sondern vor allem in der Differenz zwischen bezahltem und zurückzunehmendem Müll. Denn längst nicht jede Verpackung landet in der gelben Tonne, ein großer Teil wird mit dem gesondert zu bezahlenden Restmüll entsorgt. Doch für jede Verpackung hat der Verbraucher die Zwangsabgabe entrichtet.
Während Verpackungs- und Restmüll neuerdings häufig nicht erst auf den Halden, sondern bereits bei der Abfuhr wieder zusammengeschüttet werden, sprudelt die wunderbar ausgeklügelte Profitquelle des Dualen Systems in Deutschland wie nirgendwo sonst auf der Welt. Die Lizenzgebühren jedenfalls müssen hierzulande sehr großzügig kalkuliert worden sein. Anders ist kaum zu erklären, warum z.B. Briten für die Verpackungsrücknahme pro Einwohner und Jahr 3 Euro bezahlen, Bundesbürger dagegen 23 Euro. Das Geschäft mit der vergeblichen Gutmütigkeit macht sich bezahlt.
Und das Geschäftsmodell Dosenpfand verspricht noch profitabler zu werden. Während skandinavische Umweltschutzexperten aufgrund gründlicher Analysen zu dem Schluss gekommen sind, es sei für die Umwelt besser, den Müll nicht zu sortieren, sondern ihn einfach zu verbrennen, kämpft unsere Bundesregierung unbeeindruckt weiter an der Dosenpfandfront. „Dass beim Recycling der Dosen durch die Umschmelzung nicht viel weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt, als bei einer bloßen Verbrennung“ (Dänisches Institut für Umweltforschung), interessiert die Pfandfrontkämpfer sehr viel weniger als die Tatsache, dass allein in Dänemark das Pfandsystem jährlich sechs Millionen Euro mehr kostet als eine Verbrennung der Dosen. Denn mit den Preisen wächst der Profit.
Und selbstverständlich kann man davon ausgehen, dass ein Teil der Dosen und anderen Einwegverpackungen nicht zurückgegeben wird. Von den verfallenen Pfändern kassiert der Staat zunächst Mehrwertsteuer, der Rest soll gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung gestellt werden, was sich wiederum gewiss günstig auf den Sozialetat des Staates auswirkt.
Überraschend an all den Ökoprojekten ist nicht, dass sie als Vorwand dienen, den Bürgern Geld aus der Tasche zu ziehen, überraschend und bedrückend ist, dass die Bürger bei dieser Beutelschneiderei so begeistert mitmachen.
Wie die Geschichte der DDR zeigte, sind die Deutschen nicht gerade begierig darauf, ihre eigenen Interessen nachhaltig zu vertreten, für sie zu kämpfen. Für den Sozialismus jedenfalls nutzten nur wenige Hirn und Hand. Wenn es aber um Vorurteile geht und diese im Rahmen der Volksgemeinschaft zur Anwendung kommen, beteiligen sie sich mit höchstem Elan. Deswegen können Politiker, die das begriffen haben, mit ihnen machen, was sie wollen.

© 2004 Karl Pawek
pawek@web.de
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