Es ist an der Zeit, dass Deutschland sich ein neues Wappen sucht. Der Adler,
auch in seiner fetten Wirtschaftswunderversion, symbolisiert längst
nicht mehr deutsches Wollen und Handeln. Fürsorge, weniger für
Menschen als für Tiere und sehr viel weniger für fremde, als für
die eigene Brut, beherrscht heute das deutsche Denken. Ich schlage ein Krötenschutzverkehrszeichen
als neues Flaggensymbol vor.
Zwei Meldungen: 1. Die Abschiebung eines nicht verheirateten Paares in ihr
afrikanisches Heimatland wurde ausgesetzt, weil die Frau im zweiten Monat
schwanger ist und ihren Partner als Vater des Kindes benannte. 2. Der Ausbau
der Bahnstrecke Berlin-Hamburg wird im Bauabschnitt Bad Wilsnack-Kuhlblank
(Brandenburg) auf 15 Kilometer Länge für vier Monate unterbrochen,
weil sich ein Seeadlerpaar die Baustelle zum Ausbrüten seiner Eier
ausgesucht hat.
Die erste Meldung ist absurd, weil erfunden, die zweite pervers, weil wahr.
Nicht, dass mich die Rücksicht auf Viecher stören würde.
Jede unnötige Quälerei oder auch nur Behinderung von Tieren gehört
bestraft. Das Halten von Meerschweinchen oder Vögeln in Käfigen,
der sexuelle Missbrauch von Schoßhündchen, das Einkleiden und
Ondulieren von Pudeln, die Dressurreiterei und ähnliches sind mir widerwärtig
und sollten eine Haftstrafe oder wahlweise eine der Tierhaltung entsprechende
Behandlung der Tierhalter und Tierhalterinnen zur Folge haben. Ich bin also
wirklich nicht gegen einen Schutz der Tiere vor menschlicher Willkür.
Nur leben wir in der Bundesrepublik Deutschland und nicht im Schlaraffenland,
in dem es keine moralischen, mentalen und ökonomischen Probleme gibt.
Tierschutz, Tierliebe muss daher immer im Verhältnis zu den gesellschaftlichen
Bedingungen gesehen werden.
Eine Gesellschaft, die Flüchtlingen auf jede nur erdenkliche Weise
die Einreise verweigert, den Aufenthalt verbietet, die Menschen, auch Schwangere,
abschiebt und damit und gelegentlich auch dabei ihren Tod in Kauf nimmt,
die einem Teil ihrer Mitglieder die oft schon lebensunwürdige Sozialhilfe
kürzt, die Arbeitslose von ihren Wohnorten vertreibt, um hunderte Kilometer
entfernt einen Arbeitsplatz anzunehmen, die Bettler und Obdachlose mit Polizeigewalt
aus den Innenstädten schafft, eine solche menschenverachtende Gesellschaft
edelt auch der Tierschutz nicht, im Gegenteil. Keine deutsche Gesellschaft
hat bislang mehr für den Tierschutz getan als die nationalsozialistische,
und keine bislang mehr Menschen umgebracht.
Solange Tiere, und sei es auch ein seltenes Seeadlerpaar, mehr Schutz genießen
als Menschen, ist jeder Tierschutz entlarvend, beweist er doch eine zwar
nicht mehr ausgesprochene, doch empfundene Unterteilung der Bevölkerung
in Menschen und Untermenschen, deren gesellschaftliche Wertschätzung
offensichtlich geringer ist als die von Tieren.
Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum sich hunderttausende,
wahrscheinlich Millionen Bundesbürger über die Käfighaltung
von Hühnern empören, aber bei ihrem Sonntagsspaziergang an der
Elbe oder dem Rhein die am Ufer eingezäunten, schwimmenden Käfighaufen
für Asylsuchende einfach übersehen. Würden Kühe oder
Schweine unter ähnlichen Bedingungen hausen, wäre dies ein Skandal
und längst verboten.
Der deutsche Tierschutz ist pervers.
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