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| a | . | Risikoabwägung |
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Angst enthemmt den Charakter und verfälscht die Wahrnehmung. Während in Japan Erdbeben- und Tsunamiopfer in Notunterkünften erfroren und verhungerten, sorgten sich die meisten Bundesbürger um die möglichen Auswirkungen des Reaktorunglücks auf ihre Gesundheit. Nun mögen unsichtbare Strahlen furchterregend sein, erst recht, wenn Medien und Atomkraftgegner deren Gefahr ins Unermessliche übertreiben. Dabei könnte jeder Deutsche wissen, dass die Atombomben über Hiroshima und Nagasaki, dass die mindestens 390 Atomwaffentests zwischen 1951 und 1963 mit ungeheuren Strahlenabsonderungen auf das Leben der Menschen hierzulande zwar messbare, aber nicht gesundheitsgefährdende Auswirkungen hatten. Doch Atomkraftgegner missbrauchten die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986, Gelassenheit und Vernunft durch geschürte Ängste auszumerzen. Die Zahl der Opfer wurde nach dem Mediengesetz, dass nur der Meistbietende Aufmerksamkeit gewinnt, ins Beliebige gesteigert. Rasend schnell wuchs die Zahl der Toten auf 10-, 50-, 100 000 und mehr. Solche Horrorzahlen prägten sich ins Bewusstsein der Menschen und führten zur selektiven Wahrnehmung. Dass „Unscear“, das für Atomgefahren zuständige Wissenschaftlerkomitee der Vereinten Nationen, bis 2006 nur 49 Todesopfer zählte, konnte zwar auch in deutschen Zeitungen gelesen, von den Lesern aber offenbar nicht wahrgenommen werden. Selbstverständlich
ist jedes Strahlenopfer Grund genug, die
Sicherheitsstandards in Atomkraftwerken zu überprüfen, zu
optimieren. Dies
sollte freilich auch für den Kohlebergbau gelten, der im Vergleich
der
Energieausbeute sehr viel mehr Todesopfer fordert. An den Opferzahlen
gemessen
ist Atomstrom bisher sehr viel ungefährlicher als Strom aus Kohle. Allerdings
sind Journalisten, Lobbyisten und Bildungsbürger
nur selten Opfer eines Bergwerkunglücks, wogegen
Radioaktivität im Prinzip
jeden gefährden kann. Die daraus resultierende Angst macht jede
Wahrscheinlichkeitsberechnung irrelevant, verhindert jede rationale
Abwägung. Noch nie
war die Kernspaltung Ursache einer Reaktorkatastrophe,
sondern menschliches Versagen, Materialfehler oder ein Ausfall des
Kühlsystems.
Wenn ein Transformator auf dem Gelände eines Kernkraftwerks
brennt, wird dies
als Atomunfall gewertet, brennt der Transformator in einem
konventionellen
Kraftwerk, handelt es sich um einen Transformatorbrand. Manchmal
passiert es, dass bei einem Auto die Bremsen
versagen oder ein Reifen platzt. Führt dies zu einem Unfall,
sprechen wir von
Material-, Wartungs-, schlimmstenfalls von Konstruktionsfehlern.
Niemand käme
auf die Idee, die Automobiltechnologie für den Unfall
verantwortlich zu machen
und den Ausstieg zu fordern, obwohl die Wahrscheinlichkeit, bei einem
Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, x-tausendfach größer
ist, als Opfer einer
Kernkraftkatastrophe zu werden. An Verkehrsunfälle sind wir
gewöhnt, daher
unterschätzen wir ihre Gefährdung unseres Lebens,
Atomunglücke sind immer ein
Medienereignis, daher sind sie für unser Bewusstsein präsent,
auch wenn sie
sich im Abstand von Jahrzehnten tausende Kilometer entfernt von unserem
Aufenthaltsort ereignen. Das Phänomen ist bekannt. Die meisten
Menschen halten
das Fliegen für gefährlich. Sie meinen damit nicht die
Strahlenbelastung, der
sie dabei ausgesetzt sind und deren Messwerte Angst und Schrecken
verbreiten würden
im Falle eines Reaktorunglücks, sondern die Gefahr eines
Flugzeugabsturzes.
Tatsächlich ist das Busfahren sehr viel gefährlicher. Aber
Busunfälle außerhalb
unserer nächsten Umgebung werden uns mangels medialer Vermittlung
selten
bewusst, wogegen sich jeder Flugzeugabsturz irgendwo auf der Welt durch
Schlagzeilen und Trümmerfotos in unser Gedächtnis
einprägt. © 2011
Karl Pawek |
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