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a . Windenergie

. Es ist an der Zeit, dass Deutschland sich ein neues Wappen sucht. Der Adler, auch in seiner fetten Wirtschaftswunderversion, symbolisiert längst nicht mehr deutsches Wollen und Handeln. Der Wunsch, die Welt nach Spießerträumen zu gestalten (um alles Wesentliche beim Alten belassen zu können), beherrscht heute das deutsche Denken. Ich schlage ein Windrad als neues Wappen vor.

Bis Ende 2002 wurden in Deutschland 13759 Windkraftanlagen mit einer möglichen Gesamtleistung von 12.001 MW errichtet. Damit ist Deutschland „Wind-Weltmeister“. In den 27-mal so großen und entsprechend dünner besiedelten USA beträgt die jährliche Windkraftleistung gerade 4700 MW, dafür kann man dort Hunderte Meilen fahren, ohne dass ein gigantischer, oft über 100 m hoher Mast mit riesigen Rotorblättern die Landschaft verschandelt. In Deutschland dagegen dürfen Windkraftanlagen sogar in Landschaftsschutzgebieten aufgestellt werden, in denen die Errichtung einer kleinen Holzhütte untersagt ist. (Dieses Privileg genießen bei uns allerdings auch Kunst- und Atomkraftwerke.)
Der deutsche Windkraftboom hat rationale und irrationale Ursachen. In keinem anderen Land der Erde wird Windenergie aus Steuermitteln und Zwangsabgaben so vehement gefördert wie bei uns. Allein die Steuervergünstigungen und Zinsverbilligungen für die Besitzer von Windkraftanlagen belasten den Bundeshaushalt bis 2010 mit über 50 Milliarden Euro. Hinzu kommt die Einspeisevergütung. Deutsche Energieunternehmen sind verpflichtet, jede Kilowattstunde Windstrom für durchschnittlich 0,089 Euro abzunehmen. Strom aus konventionellen Energien kostet ca. 0,02 Euro/kWh. Der Differenzbetrag wird selbstverständlich den Stromabnehmern berechnet. 2002 mussten dafür die deutschen Stromverbraucher 1,7 Milliarden Euro entrichten. Damit subventionierte jede/r Deutsche vom Säugling bis zur Greisin die Windenergie mit 20 Euro. 2003 wird der jährliche Zuschuss 1,94 Milliarden Euro (22,80 Euro pro Person) betragen. (FAZ v. 26.8.03, S.11) Der bis  2015 garantierte Abnahmepreis kann durchaus als Lizenz zum Gelddrucken verstanden werden.
Allerdings nicht für viele Spekulanten, die sich in Windparkfonds eingekauft haben. Die Glücklicheren unter ihnen müssen sich mit Erträgen begnügen, die weit unter den versprochenen liegen; wer Pech hat, geht leer aus. Der erste Windparkfonds hat bereits Konkurs angemeldet. Sein Geschäftsführer musste eingestehen: „Uns hat der Wind gefehlt.“
Tatsächlich erreicht kaum eine Windkraftanlage die prognostizierte Leistung. Mehrere Anlagen wurden bereits wegen Unwirtschaftlichkeit wieder abgerissen, z. B. bei Windischeschenbach, wo nicht einmal die Hälfte der geplanten Strommenge  produziert werden konnte. Im Durchschnitt wurden die Erwartungen um 20% verfehlt. Dies liegt zum einen an verkaufsfördernden Windgutachten, die für geplante Standorte die größtmögliche Windmenge zur Grundlage hoher Renditeversprechen machen, zum anderen am Pfusch beim Bau und einer teuren Reparaturanfälligkeit. Gelegentlich reißen Stürme ganze Anlagen um, häufig gehen Rotoren zu Bruch, schlagen Blitze ein oder geraten Maschinen in Brand. 62 solcher Ereignisse sind für die Jahre 2000 – 2002 durch Medienberichte dokumentiert, die tatsächliche Zahl der Schadensfälle dürfte wesentlich höher liegen. Dabei grenzt es an ein Wunder, dass bislang niemand durch den Betrieb eines Windrades ums Leben kam, sieht man von einer Fallschirmspringerin ab, die bei der missglückten Landung von einem Rotorblatt erschlagen wurde.
Doch die gesamtgesellschaftlichen Kosten der Windkraftenergie sind noch wesentlich größer. Da Winde sehr ungleichmäßig wehen, kann die durch Windkraftanlagen erzeugte Energie nicht direkt genutzt werden. Auch wenn die theoretische Leistung eines Windrades völlig ausreicht, um ein ganzes Dorf mit Strom zu versorgen, schwankt die Leistungsabgabe so sehr, dass bei Flaute oder einem Orkan oft stunden-, manchmal tagelang alle Lichter ausgehen, die Tiefkühltruhen abtauen, die Wasserboiler kalt bleiben würden. Also muss der durch Windkraft erzeugte Strom zunächst in das Elektrizitätsnetz eingespeist werden. Dies erzwingt ein permanentes Herauf- und Herunterfahren konventioneller Kraftwerke, wobei sehr viel Energie vergeudet wird. Während der Stromverbrauch für jede Tages- und Nachtzeit genau vorhersagbar ist und bei der Stromproduktion eingeplant wird, kann die Produktionsmenge von Windstrom trotz passabler Wettervorschauen kaum kalkuliert werden. Allein das norddeutsche E.on-Netz muss manchmal 0, wenig später 3500 Megawatt Windstrom aufnehmen. Laut E.on verursacht der energievergeudende Schwankungsausgleich jährliche Kosten von 1,6 Milliarden Euro.
Immerhin erweist sich wenigstens die Energiebilanz als Nullsummenspiel. Nach Berechnungen unabhängiger Gutachter benötigen Windkraftanlagen für ihren Bau und Betrieb nicht mehr, aber auch kaum weniger Energie, wie sie während ihrer Nutzungsdauer einfahren können. So bleibt als Pluspunkt allein die Emissionsvermeidung durch Windkraft.
Leider liegen dafür sehr unterschiedliche Zahlen vor. Während in der Bundestagsdebatte Ende Januar behauptet wurde, 2002 sei durch die verbrennungsfreie Stromerzeugung die Emission von 50 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden worden, nannte der „Bundesverband Windenergie“ am 28.1.03 eine Einsparung durch alle regenerativen Energieträger von 22 Millionen Tonnen. Dies bedeutet eine Emissionsminderung um 5,84% bzw. 2,57%, wobei der Hauptanteil, über 75%, durch die nicht geförderten Wasserkraftwerke geleistet wird. (Nur zum Vergleich: Atomkraftwerke haben 2001 das Emissionsvolumen um ca. 165 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermindert.)
Addiert man die direkten und indirekten Kosten der Windenergie, bezahlen wir für die Einsparung einer Tonne Emission durch Windkraft rund 100 Euro. Die konventionellen Stromerzeuger bieten an, durch Steigerung des Wirkungsgrades vorhandener Großkraftwerke eine Emissionsverringerung für weniger als 10 Euro je Tonne zu gewährleisten.
Obwohl, wie der schweizerische Ökologieprofessor Binswanger seit Jahren vergeblich verkündet, die Windkraftnutzung ökonomisch unsinnig ist und ihr ökologischer Effekt auch durch die weitaus billigere Effizienzsteigerung bereits existierender Großkraftwerke zu leisten wäre, scheint der Windkraftboom in Deutschland, aber auch nur in Deutschland ungebrochen. Die Gründe dafür sind vielfältig.
Tatsächlich war die Windkraft für einige Investoren, vor allem aber für zahlreiche Unternehmer und Makler ein glänzendes Geschäft, dessen Margen angesichts ökologischer Vorzüglichkeit nicht hinterfragt wurden. Die Windkraftlobby fand seit Kohls Kanzlerschaft nur offene Türen, heute gilt, wer an ihr zweifelt, auch unter CDU-Bundestagsabgeordneten als Dummkopf. In solch einem Umfeld wird eine Investitionsidee schnell zum Selbstläufer völlig unabhängig von der Branche.
Dass Deutschland weltweit führend ist in der regenerativen Energiegewinnung, wird gerne mit dem besonders hoch entwickelten ökologischen Bewusstsein in diesem Land erklärt. Nun gilt aber auch für das ökologische Bewusstsein, dass es vom Sein bestimmt wird. Hier kommt die hohe Abhängigkeit Deutschlands von Brennstoffimporten ins Spiel. Mangels nennenswerter eigener Ölförderung und angesichts unzureichender Kohlevorräte muss Deutschland fossile Brennstoffe aus dem Ausland beziehen. Da das Sicherheitsbedürfnis der Bundesbürger einen Ausbau der Atomenergienutzung nicht zulässt, kann eine Autarkie im Energiebereich nur durch regenerative Energieträger – Wasser, Licht, Wind, Erdwärme – erreicht werden. Die Frage, warum Deutschland wieder einmal autark werden will, wird uns die Geschichte beantworten.
Weniger rational als die angeführten ökonomischen und politischen Gründe ist der Wunsch der Deutschen nach einer sauberen Umwelt. Denn eine Emissionsverringerung hierzulande macht nur Sinn, wenn es gelingt, die deutschen Umweltstandards weltweit durchzusetzen. Doch die meisten Völker unserer Erde haben dringendere Probleme als den Umweltschutz. Die Emission ihrer Herdfeuer, Weiler und Kühe kann nicht per Konferenzbeschluss reduziert werden, ein Verzicht auf Industrialisierung wird von ihnen zu Recht als Zumutung empfunden. Nehmen wir nur an, Vertreter einer anscheinend höheren Zivilisation wären im Deutschen Reich des 16. Jahrhunderts aufgetreten mit dem durchaus schon damals vernünftigen Verlangen, weniger Holz und Kohle zu verbrennen, oder im 19. Jahrhundert mit dem Ziel, die Industrialisierung zu stoppen. Auch wenn sie unseren Vorfahren zu diesem Zweck die – freilich unbezahlbare – Lieferung von High-Tech-Alternativen angeboten hätten, wäre kaum ein Deutscher auf die Idee gekommen, dieses Angebot freiwillig anzunehmen, zumal Betrieb und Wartung dieser Anlagen zunächst durch die Fremden hätte erfolgen müssen. Wie groß die Empörung gewesen wäre, lässt die deutsche Reaktion auf eines der bedeutsamsten Ökologieprojekte des 20. Jahrhunderts ahnen, auf den als Zumutung empfundenen Morgenthau-Plan. Er sah vor, Deutschland nach der Kapitulation 1945 in ein Agrarland zu verwandeln.
Das deutsche Bemühen um eine weltweite Verminderung des Schadstoffausstoßes wird daher trotz immenser Vorleistungen scheitern und die Deutschen in ihrem Wahn, unverstanden zu sein, nur bestärken.
Zumal die Windkraft mehr ist als nur ein ökologisches Projekt. Bärbel Höhne von den Grünen hat das wohl unfreiwillig am deutlichsten ausgesprochen: „Windkraftanlagen sind die Kirchtürme der GRÜNEN Politik.“
Spätestens seit jeder in diesem Land eine Armbanduhr besitzt, sind Kirchtürme bestenfalls architektonische Meisterleistungen und jedenfalls ein Glaubensbekenntnis. Da niemand den Rotortürmen einen ästhetischen oder kunsthistorischen Wert zuspricht, bleibt nur das Glaubenszeugnis als Bedeutung übrig. Es ist ein sehr weltlicher, sehr dummer Glaube, ein auf Sparsamkeit, Ordnung, Harmonie und Sauberkeit reduzierter Pietismus.
Der gleiche Nachweis ökonomischer Unsinnigkeit und pseudoreligiöser Motivation ließe sich auch bei der Mülltrennung und beim Dosenpfand führen. Die Welt nach Spießerträumen gestalten zu wollen, ist immer ein kostspieliges und im absehbaren Scheitern trauriges Unterfangen. 
 
© 2002 Karl Pawek

pawek@web.de
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