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a . Worum es wirklich geht 

. Die Diskussionen um den Islam verwirren nur. Da berufen sich die einen auf Suren, die Menschlichkeit und Friedfertigkeit preisen, wogegen andere auf Kapitel des Korans verweisen, die eine Tötung Un- oder Andersgläubiger rechtfertigen. Was die einen Unterdrückung der Frau nennen, dient anderen zufolge allein ihrem Schutz. Genauso kontrovers wird die Frage eines EU-Beitritts der Türkei behandelt. Ökonomische, demographische, geographische Argumente, häufiger noch Vorurteile werden herumgereicht oder gegenseitig um die Ohren geschlagen, freilich ohne jede erkennbare Auswirkung auf die tatsächliche, politisch gewünschte Entwicklung. Allein die dumpfesten Reaktionäre scheinen einer Islamisierung Europas, bei der einem EU-Mitglied Türkei eine wesentliche Rolle zukommen würde, noch Widerstand entgegensetzen zu wollen. Doch weder Rechte noch Linke verweisen auf den einen fundamentalen Unterschied zwischen emanzipiertem europäischen und mittelalterlichem islamistischen Menschenbild.
Auch strenggläubige Westler zögern heute nicht mehr, jedem Menschen allein auf Grund seiner Existenz einen absoluten Wert beizumessen. Das war nicht immer so und gilt wohl noch längst nicht endgültig. Bis vor kurzem, bis ins 18. Jahrhundert wurden auch in Europa Menschen, die Gott leugneten oder gar lästerten, getötet. Ihr Leben galt als wertlos, weil sie sich jeder göttlichen Veredelung ihrer menschlichen Existenz verweigerten. Sie hätten, behauptete man von ihnen, ihre Seelen an den Teufel verkauft. Tausende „Hexen“, „Hexer“, Ketzer bezahlten ihren Eigensinn mit dem Leben.
Nicht besser erging es Millionen Nichtweißen. Ihr Missbrauch, ihre Ausbeutung, ihre Tötung bereitete Christenmenschen kein schlechtes Gewissen, kam doch bei ihnen zur Gottlosigkeit noch ihre körperliche „Andersartigkeit“ hinzu. Wer weder im Glauben noch in der Hautfarbe dem europäischen Menschenbild entsprach, galt noch im 19. Jahrhundert als Tier und wurde im Zoo ausgestellt. Und noch leben Menschen unter uns, die allein aus Rassismus in Juden, Osteuropäern, in allen „Blutsfremden“ Untermenschen sahen, deren Schicksal sie einen Dreck kümmerte, deren Tötung ihnen bestenfalls gleichgültig war.
Und immer noch unterscheidet sich das Menschenbild vieler Deutschen von dem ihrer Nachbarn. Während z. B. für die Mehrheit der Franzosen ein Mensch von Natur aus Mensch ist und nur durch Zufall Angehöriger einer Nation oder eines Stammes, glauben viele Deutsche unbeirrt weiter an die Magie des Blutes. Deutsch ist, wer deutsches Blut in seinen Adern hat. Und sei der Anteil nach Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten des Lebens in der Fremde noch so gering, rechtfertigt doch der letzte Tropfen deutschen Blutes den Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft.
Da es sich freilich mit Blut, gutem wie schlechtem, noch nicht wieder ungeniert argumentieren lässt, bedarf es der Tarnung „Leitkultur“. Sie besteht nicht aus demokratischen Rechten und Pflichten, nicht aus historischem Bewusstsein, nicht aus emanzipatorischen und intellektuellen Errungenschaften, sondern meint im Grunde deutsches Fühlen und Denken, das man im Blut hat oder nicht. Wer nicht Blutsdeutscher ist, kann Gesinnungsdeutscher werden, indem er sich um Anpassung bemüht. Wie wenig freilich eine Anpassungsbereitschaft auf Dauer hilft, mussten Millionen Juden im Nationalsozialismus erfahren. Obwohl viele von ihnen die deutsche „Leitkultur“ bis zur Peinlichkeit verinnerlicht hatten und deutsch fühlten und dachten wie die Deutschesten unter den Deutschen, bestimmte doch in Krisenzeiten das Blut ihr Schicksal. Der Makel des falschen Blutes und nicht ihr Verhältnis zur deutschen Leitkultur war tödlich.
Wenn wir heute zumindest formaljuristisch die Würde des Menschen unabhängig von seiner Religion und Abstammung für unantastbar halten, seinen Wert also in ihm und nicht in seinem Glauben, seiner Zugehörigkeit sehen, ist dies ein noch vor kurzem unvorstellbarer Entwicklungsschritt, gewiss der wesentlichste der Neuzeit. Was vielen von uns selbstverständlich scheint, war tatsächlich ein revolutionärer Akt der Emanzipation der Menschen. Niemand bei klarem Verstand und unzerstörter Psyche wird diesen endlich erkannten eigenständigen Wert jedes Menschen leugnen oder auch nur zur Disposition stellen.
Genau dies aber tut der Islam: „Der Wert des Menschen bestimmt sich im Koran nicht aus seiner Würde oder aus der ethischen Qualität seiner in Freiheit getroffenen Entscheidungen, sondern aus seiner Haltung zur islamischen Religion.“ (Alexander Goerlach) Wer nicht an Allah glaubt, gilt dem Islamgläubigen nicht als vollwertiger Mensch. Er kann von ihm geduldet, doch muss bekämpft werden, wenn er Allah leugnet oder gar lästert.
Dieser mittelalterliche Glaubenszwang mit seiner mörderischen Intoleranz sollte jedem unerträglich sein, der „Menschenrechte“ und „Menschenwürde“ nicht nur als politische Nützlichkeiten missbraucht. An Allah oder Christus oder Buddha soll glauben, wer will. Aber keinem Gläubigen darf eine moderne demokratische Gesellschaft gestatten, Un- oder Andersgläubigen die Unverletzbarkeit ihrer Würde, ihrer Rechte zu verweigern. Die vor allem von den Grünen so häufig geforderte Achtung vor Menschen kann nicht Akzeptanz altertümlicher, antidemokratischer Mentalität bedeuten. Wer Islamunterricht an deutschen Schulen propagiert, outet sich als Verfassungsfeind. Denn nicht nur die eine oder andere terroristische islamistische Vereinigung, sondern der Islam selbst ist hierzulande verfassungswidrig.
Trotzdem schwafeln sozialdemokratische, grüne und andere pseudolinke Politiker penetrant von Integration, Toleranz, Akzeptanz im Verhältnis zu Muslimen, fordern Vergünstigungen für sie und sind eher bereit, den Gotteslästerungsparagraphen zu verschärfen, als die islamistische Anmaßung auch nur als solche zu benennen. Was nur macht sie so blind und blöd?
Entscheidend für die Einschätzung des Islams ist das Menschenbild des Urteilenden. Wer an die Fähigkeit des Menschen zur Emanzipation von Ängsten und Abhängigkeiten glaubt und sie für erstrebenswert hält, muss den Islam als Bedrohung empfinden. Wer aber vom Wunsch nach Integration, nach einer starken Führung, nach Schutz, nach einem Übervater beherrscht wird, dem erscheint jede Religion gleich gut, weil hilfreich, sogar eine Religion wie der Faschismus mit einem weltlichen Gott als Führer.
Allein Wissen und die daraus gewonnene Erfahrung kann diese mentale Bedingung der Gläubigkeit überwinden. Emanzipation, die sich nicht auf Aufmüpfigkeit beschränkt, kann nur aus Wissen entstehen. Man muss wissen, wovon man sich emanzipieren möchte, warum, wie es möglich ist etc. Ein unreflektiertes Leben verharrt in Abhängigkeit.
Nun sind die Voraussetzungen für eine weitere Emanzipation des Menschen zur Zeit denkbar schlecht. Gelähmt vom Wunsch nach Bequemlichkeit, nach Fürsorge verzichten wir nur zu gerne auf den mühsamen Erwerb von meist verstörendem Wissen. Daran sind nicht die Medien schuld. Sie liefern nur, was gefragt ist. Auch die Schulen in ihrem selbst auferlegten Zwang zur Attraktivität reagieren nur auf gesellschaftliche Bedingungen. Und die Politik giert konzept- und perspektivlos ausschließlich nach Wählerstimmen.
Auch wenn es nicht die eine richtige Wirtschaftspolitik, die eine richtige Wissenschaftspolitik, überhaupt keine endgültigen Wahrheiten gibt, sollten wir Menschen doch unser Leben nach den uns heute möglichen Erkenntnissen gestalten. Nicht die vielen Formen des physischen und psychischen Elends auf der Welt sind ein Skandal, sondern das Niveau ihrer Behandlung ist skandalös und beklagenswert. Die Gestaltung der Welt wird in den westlichen Demokratien Lobbyisten überlassen, die ihre partikularen Interessen oder Aufträge weniger verantwortlich als publikumsattraktiv betreiben. Um die Interessen und tatsächlichen Bedürfnisse der Bevölkerung scheren sie sich dabei genauso wenig wie die herrschenden Schwarzröcke, Räuber und Egomanen in den Feudalstaaten und Diktaturen. Und sie können es sich leisten, weil die meisten Menschen hier wie dort unwissend sind.
Machen wir uns nichts vor. Alles Klagen über die Ergebnisse von Pisastudien täuscht nur darüber hinweg, dass das politische, historische, naturwissenschaftliche, auch ästhetische Verständnis eines Durchschnittsdeutschen (oder Durchschnittsamerikaner) kaum über dem afrikanischer Steppenbewohner oder südamerikanischer Indios liegt. Noch besitzen viele Europäer und Amerikaner mehr handwerkliche und technische Fähigkeiten und Fertigkeiten, können mehr, vor allem „idiotensichere“ Apparate bedienen und verfügen über besser ausgebildetes Hilfspersonal. (Aber schon sind sie mehrheitlich zu dumm, ohne ärztliche Hilfe einfachste Krankheiten zu behandeln.) Politik jedoch erscheint ihnen so schicksalhaft wie einem afrikanischen oder südamerikanischen Eingeborenen. Nicht Wissen, sondern Vorurteile, Vorlieben, Gewohnheiten bestimmen ihre Wahlentscheidungen. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist in den westlichen Demokratien das ideelle Gesamtvolk dümmer als ihre Führer. Die um sich greifende, anschwellende Unwissenheit pervertiert die Demokratie. Immer noch satt und immer träger, ängstlicher, empfindlicher gleitet die westeuropäische Gesellschaft wahrscheinlich unaufhaltsam in ihren Untergang.
Nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, Europa gewaltsam zu islamisieren, ahnen die Jünger Allahs die Chance, ihr Ziel endlich zu erreichen. Doch so hoffnungslos die Lage auch scheinen mag, ist ein menschenwürdiges Leben nur im Widerstand gegen diese Entwicklung möglich. Wenn die Saat der Aufklärung auch vom Islamismus hinweggespült werden wird, rechtfertigt ein einziger Samen, der irgendwo versteckt  überdauert, jede Anstrengung. Resignation jedenfalls ist um keinen Deut besser als die beklagte Idiotie.


© 2005 Karl Pawek
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